KOMMENTAR

Großer Sport, aber zu viel Spektakel

von Redaktion

Über die amerikanisierte WM

Nun ist die WM vorbei: Nach 39 Tagen und 104 „Super Bowls“, wie die Partien von Fifa-Chef Gianni Infantino in gewohnt zurückhaltender Art bezeichnet wurden, ist dieses XXL-Turnier Geschichte. Doch was bleibt von dieser WM, die erstmals in drei Ländern und auf zwei Kontinenten ausgetragen wurde? Zunächst einmal die Erkenntnis, dass die Zugpferde geliefert haben: Vinicius Junior, Kylian Mbappé und natürlich Erling Haaland sorgten für beste Unterhaltung – auch für die Fußballfans in den USA, die vor allem die Superstars der Teams feiern, einen Spieler wie David Raum dagegen eher nicht kennen.

Auch das Finale mit dem besten Fußballer aller Zeiten, Lionel Messi, und seinem designierten Nachfolger Lamine Yamal passte perfekt ins Bild. Diese WM sollte die größte aller Zeiten werden – mit den meisten Einnahmen und den höchsten TV-Quoten. Dieses Ziel hat die Fifa erreicht.

Dafür setzte sie allerdings auf fragwürdige Mittel: Die als Trinkpausen getarnten Werbeunterbrechungen zerstückelten den Spielfluss, die Anmoderationen mancher Stadionsprecher erinnerten eher an Wrestling-Shows als an ein Fußballspiel. Und die überdimensionalen Videowürfel und Bildschirme in den US-Stadien sorgten dafür, dass viele Fans überall hinschauten – nur nicht auf den Rasen. Das machte sich auch bei der Stimmung bemerkbar. Es gab aber auch echte Highlights: Kanada war ein sympathischer Gegenpol zum Dauerspektakel in den USA. Und Mexiko zeigte zudem eindrucksvoll, wie wichtig es ist, eine WM in einem wirklich fußballverrückten Land auszutragen.

Daher dürfen sich die Fans schon auf die nächsten Turniere freuen: Die EM 2028 im Vereinigten Königreich und in Irland sowie die WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko werden allesamt in Ländern ausgetragen, in denen die Menschen für den Fußball brennen, ohne dafür erst animiert werden zu müssen. Hoffentlich spielt dann auch die deutsche Mannschaft etwas länger mit.

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