„Wir genießen jede Grätsche“

von Redaktion

1860 im Totopokal gegen 1860-Fans aus Berglern – Interview mit Spielertrainer Faltlhauser

Pokalhelden: Als Sieger im Kreis Donau/Isar fordert Eintracht Berglern Vorjahresfinalist TSV 1860. © Tobias Heimes

München – „Hab ich was gewonnen?“, meldet sich Michael Faltlhauser gut gelaunt am Telefon. Und tatsächlich: Der Spielertrainer von Eintracht Berglern hat den Jackpot gezogen. Der Kreisligist empfängt an diesem Dienstag den TSV 1860 (18.30 Uhr, DF1 live) – und der 34-Jährige, selbst glühender Löwen-Fan, fiebert dem wohl größten Spiel seines Fußballerlebens entgegen.

Herr Faltlhauser, wie groß war der Jubel nach der Auslosung?

Wir haben die Auslosung gemeinsam verfolgt. Ab dem Zeitpunkt war Ekstase! Wir haben bis vier Uhr in der Früh gefeiert. Das können wir auch sehr gut.

Wie organisiert man in nur wenigen Tagen so ein Spiel?

Einfach anpacken. Ganz Berglern hilft zusammen, wir haben eine gute Gemeinschaft. Rund 90 Leute haben am Sportgelände gearbeitet.

Klingt so, als würden alle im Dorf mitfiebern.

Extrem! Der Rewe richtet sogar ein Public Viewing auf seinem Parkplatz ein, weil so viele keine Karten bekommen haben. Das zeigt, was bei uns los ist.

Sie sind selbst glühender Löwen-Fan. Wie schwer fällt es da, gegen 1860 anzutreten?

Gar nicht. Ich bin mit 1860 aufgewachsen, mein Opa hat mich angesteckt. Aber am Dienstag ab 18.30 Uhr bin ich nur Spielertrainer von Berglern.

Ist die ganze Familie blau?

Nein. Es gibt auch genügend Bayern-Fans. Das sorgt regelmäßig für Diskussionen.

Ihr bester Kontakt zu den Löwen?

Stefan Lex. Wir wohnen in Eitting fast nebeneinander und treffen uns immer wieder beim Wirt, dem Massimo.

Fünf Ligen Unterschied – was kann man sich da überhaupt ausrechnen?

Ich nehme mir Kap Verde bei der WM als Beispiel. Wenn man diszipliniert verteidigt, ist im Fußball vieles möglich. Im Pokal gelten ohnehin eigene Gesetze.

Lassen Sie also Elfmeter trainieren?

(lacht) Ich habe den Jungs gesagt: Genießt jeden Atemzug, jeden Ballkontakt, jeden Zweikampf und jede Grätsche. Alles andere kommt von allein.

Als Innenverteidiger könnten Sie auf Florian Niederlechner treffen.

Das hoffe ich. Aber ich bin nicht da, um Autogramme zu sammeln. Er wird nach dem Spiel schon merken, dass er gegen mich gespielt hat. Sein Schienbein wird das bestätigen.

Wie sehen Sie den Neustart der Löwen nach Insolvenz und Zwangsabstieg?

Ich sehe darin eine Chance. Man spürt eine richtige Euphorie. Jetzt kann der Verein wieder auf eigenen Beinen stehen. Die Liebe kennt keine Liga.

Wer schaut zu Hause zu?

Meine Oma und mein Opa sind beide 85 und können nicht zum Platz kommen. Deshalb habe ich ihnen erst einmal den Fernsehsender eingerichtet.

Ist das Spiel der Höhepunkt Ihrer Fußballerkarriere?

Zu hundert Prozent. Eigentlich könnten wir danach alle unsere Karriere beenden. Wer erlebt schon einmal so etwas? Das wird für uns alle ein Abend, den wir nie vergessen werden.

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