Am 6096 Meter hohen Laila Peak verunglückte Dahlmeier vor einem Jahr. © IMAGO/Depositphotos
Keinesfalls vergessen: Laura Dahlmeier. © Schmidt/dpa
Mutter Susi Dahlmeier sitzt bei einem Dreh für das ZDF im Laura Dahlmeier Park in ihrer Heimat Garmisch-Partenkirchen. © Hörhager/dpa
Garmisch-Partenkirchen – Blumen, Kerzen und immer wieder Menschen, die einen Moment stehenbleiben: Im Laura-Dahlmeier-Park in Garmisch-Partenkirchen ist die Erinnerung an die Biathlon-Olympiasiegerin lebendig.
Ein Jahr nach ihrem tödlichen Bergunfall am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ist der öffentliche Trubel verklungen. Geblieben ist eine stille Form des Gedenkens – und die Erinnerung an eine Frau, die für viele mehr war als eine erfolgreiche Profisportlerin.
Für die Angehörigen von Laura Dahlmeier ist der Jahrestag vor allem eine private Angelegenheit. „Die Familie hält sich still. Wir sind froh, dass der Hype nach unten gegangen ist, dass ein bisschen Ruhe eingekehrt ist“, sagt Vater Andreas Dahlmeier. „Wir sind müde.“ Den Todestag werde die Familie im kleinen Kreis begehen. „Es ist Familiensache“, sagt er. Eine öffentliche Gedenkveranstaltung ist nicht geplant.
Ein Foto und eine an einem Felsen angebrachte Tafel erinnern im Laura-Dahlmeier-Park an die begeisterte Bergsteigerin. Den Felsen hat ihre Mutter Susi Dahlmeier ausgesucht. Er stammt aus dem Ferchenbach unweit der Partnachklamm, in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.
Kerzen und immer wieder frische Blumen zeugen dort von der ungebrochenen Anteilnahme. Wegen der vielen Kerzen kam es während der Hitzewelle dort sogar zu einem kleinen Brand, der jedoch ohne Schäden blieb. „Es ist eine richtige Pilgerstätte geworden“, sagt Andreas Dahlmeier. Es sei ein Ort, um innezuhalten.
Der Park direkt neben dem Skiclub Partenkirchen – Dahlmeiers sportliche Heimat – war im Februar offiziell nach der Ausnahmesportlerin benannt worden. Hunderte Kerzen bildeten damals eine symbolische Loipe im Schnee: Eine Erinnerung an die sportlichen Erfolge der zweifachen Biathlon-Olympiasiegerin und siebenmaligen Weltmeisterin.
Am 28. Juli vergangenen Jahres war die 31-Jährige mit ihrer Seilpartnerin am knapp 6100 Meter hohen Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge unterwegs, als sie beim Abseilen auf einer Höhe von 5.700 Metern von Steinschlag getroffen wurde. Wahrscheinlich war Dahlmeier, die ausgebildete Bergführerin und Mitglied der Bergwacht war, sofort tot. Die beiden Frauen waren wegen schwieriger Verhältnisse noch vor dem Gipfel umgekehrt.
Rettungs- und später Bergungsversuche, an denen unter anderem der mit Dahlmeier befreundete Extremkletterer Thomas Huber beteiligt war, scheiterten.
Dahlmeiers Eltern haben Frieden damit geschlossen, dass der Leichnam ihrer Tochter in den Bergen in Pakistan fernab der Heimat bleibt. „Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie“, sagte Susi Dahlmeier Ende Februar bei der Feier zur Benennung des Laura-Dahlmeier-Parks.
„Es fühlt sich manchmal an, als wäre es erst gestern gewesen, und sie ist immer noch in unserem Leben, so präsent“, sagte Thomas Huber. „Es ist wie so ein Echo, das nachhallt, ihre Stimme und das, was sie gesagt hat. Das sollte allen eigentlich Mut geben, das Leben zu leben.“
Sie habe die Natur mit großer Demut erlebt und stets gewusst, dass zum Alpinismus auch Risiken gehören. Die Berge, so sagen Weggefährten, waren für Dahlmeier nie Kulisse, sondern Leidenschaft und Lebenselixier.
„Die Laura fehlt uns allen“, sagt Huber. „An dem Tag, als Laura diesen Unfall hatte, werden wir mit Sicherheit nicht versuchen, auf den Berg zu gehen, sondern innehalten und ihrer gedenken.“ Und daran erinnern, was Dahlmeier vermittelt habe: „Hey, das Leben ist so fragil.“ Das Leben sei ein Geschenk – und das solle man „wirklich feiern, zelebrieren“.DPA