„Pogacar hat bessere Gene“

von Redaktion

Red-Bull-Teamchef Ralph Denk über die Tour und die Freude an Evenepoel

„Schönes Zielfoto“: Ralph Denk. © Joensson/AFP

Seit Anfang der Woche ist der Chef selbst vor Ort. Ralph Denk (52) wird den Endspurt seines Rennstalls Red Bull Bora hansgrohe bei der Tour de France selbst miterleben.

Viele haben Remco Evenepoel in den Bergen schwächer eingeschätzt als Florian Lipowitz. Am Sonntag hat er am Berg den Etappensieg geholt. Überrascht?

Unser Performance-Team hat bei der Vorbereitung einen sehr ungewöhnlichen Ansatz gewählt. Remco ist seit Ende April kein Rennen mehr gefahren. Er hat sich komplett über Höhen- und Hitzetraining sowie die Arbeit am Idealgewicht vorbereitet. Vor ein paar Jahren hätte man es noch für unmöglich gehalten, eine Tour de France mit zwei Monaten Rennpause anzugehen. Stand heute hat das extrem gut funktioniert. Am Sonntag hat man ihn streckenweise mit purem Nasenatmen gesehen. Das war beeindruckend.

Tadej Pogacar allerdings fährt wie befürchtet in einer eigenen Liga. Was macht ihn so unerreichbar?

Ich denke, dass er mit den besseren Genen auf die Welt gekommen ist. Es ist ja nicht so, dass er doppelt so viel trainiert. Alle fahren ähnliche Umfänge, nutzen das gleiche Equipment und dieselbe Regeneration. Ich vergleiche Tadej gerne mit Peter Sagan. Sein Bruder Juraj ist ja auch bei uns im Team gefahren. Gleicher Vater, gleiche Mutter, beide haben den Sport geliebt. Der eine wird dreimal Weltmeister, der andere war ein solider Durchschnittsprofi. Talent macht den Unterschied. Und Tadej ist eben der größte Fahrer der aktuellen Zeit.

Umso süßer schmecken wahrscheinlich Erfolge wie in der Etappe am Sonntag…

Klar, wenn man sich das Zielfoto anschaut: Remco gewinnt und ein paar Meter dahinter kommt das Gelbe Trikot ins Bild. Solche Fotos bekommst du nicht oft. Das muss man genießen.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

Artikel 1 von 11