Tour-Aus für Lipowitz

von Redaktion

Radstar rauscht in Absperrung und muss aufgeben – Evenepoel holt auf

Weggerutscht: Lipowitz‘ Unfall in einer Kurve.

In seinem Element: Zeitfahr-Champions Remco Evenepoel drehte über die 26 km auf. © JEFF PACHOUD/AFP

Ende der Podestträume am Lac Leman: Florian Lipowitz. Für den Deutschen ist die Tour de France nach einem Sturz beendet. © YOAN VALAT/EPA

Thonon-les-Bains – Im schmerzhaftesten Moment seiner jungen Karriere schleppte sich Florian Lipowitz mit gesenktem Kopf in Richtung Krankenwagen. Mit der linken Hand hielt der deutsche Tour-Hoffnungsträger seine verletzte und blutende rechte Schulter, an die Fortsetzung der Frankreich-Rundfahrt war nicht mehr zu denken. Ein Sturzdrama im Einzelzeitfahren hat den Vorjahresdritten auf tragische Weise aus allen Podestträumen gerissen.

Der 25-Jährige vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe kam am Dienstag in einer Rechtskurve zu Fall und rauschte bei hoher Geschwindigkeit in eine Absperrung. Lipowitz wurde im Ziel in Thonon-les-Bains in der mobilen medizinischen Station der Tour versorgt, seine Freundin Antonia stand ihm tröstend bei. Für weitergehende Untersuchungen werde er in ein Krankenhaus gebracht, teilte das Team mit. Später hieß es: Das rechte Schlüsselbei ist verletzt.

Der Unfall überschattete einen sportlich ansonsten erfolgreichen Tag für die deutsche Red-Bull-Mannschaft. Weltmeister Remco Evenepoel bestätigte seine Zeitfahr-Dominanz eindrucksvoll. Der Doppel-Olympiasieger gewann das einzige Einzelzeitfahren der 113. Frankreich-Rundfahrt mit einer Machtdemonstration vor Spitzenreiter Tadej Pogacar und verkürzte mit seinem zweiten Etappensieg nacheinander auch den Rückstand auf den Mann im Gelben Trikot.

„Das ist ein großes Unglück. Es ist ein bittersüßer Sieg“, sagte Evenepoel im Sieger-Interview über den schweren Sturz von Lipowitz: „Ich wünsche ihm das Allerbeste.“ Der Sportliche Leiter Patxi Vila sprach von einem „seltsamen Gefühl. Wir sind glücklich und traurig. Ich hoffe, dass er schnell wieder gesund zurückkommt.“ Auch Pogacar schickte Genesungswünsche: „Ich bin an derselben Stelle auch fast gestürzt. Ich hoffe, dass Lipo okay ist.“

Evenepoel benötigte im Regenbogen-Overall des Weltmeisters 32:19 Minuten für die 26,1 km entlang des Genfer Sees zwischen Évian-les-Bains und dem Ziel in Thonon-les-Bains. Der 26-Jährige lag am belgischen Nationalfeiertag 28 Sekunden vor dem zweitplatzierten Pogacar. Dritter wurde der Däne Mattias Skjelmose (Lidl-Trek/+1:04).

Für Evenepoel, der seinen Sieg trotz des Dramas um Lipowitz ausgelassen feierte, war es sein insgesamt vierter Tour-Tageserfolg und der zweite nacheinander. Evenepoel hat als Zweiter der Gesamtwertung 4:32 Minuten Rückstand auf Pogacar und damit beste Chancen auf eine Podestplatzierung in Paris. Dort endet die Tour am kommenden Sonntag.

Lipowitz wird die französische Hauptstadt, in der er 2025 sensationell als Gesamtdritter und Träger des Weißen Trikots eingefahren war, nicht auf dem Rad erreichen. Der Deutsche ist der zweite prominente Ausfall binnen 48 Stunden. Erst am Sonntag war der zweimalige Tour-Champion Jonas Vingegaard (Visma-Lease a bike) nach einem Sturz ausgeschieden.

Der Tagessieg ging nur über die Spezialisten Pogacar und Evenepoel, der mit einem Prototypen seines Rad-Herstellers auf den Kurs ging.SID

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