Auf der Wiesn: Mitspieler Philipp Tietz (nun in Mainz).
So fing es an: Vertragsunterzeichnung.
Fußballprofi mit eigener Ausstellung: Han-Noah Massengo in der Augsburger Galerie „Die Ecke“. © Christian Kolbert/Imago, privat (2)
Augsburg – In seiner ersten Bundesliga-Saison beim FC Augsburg hat Han-Noah Massengo, 25, Mittelfeldspieler, Franzose, Eindruck hinterlassen: Er war in München der Torschütze zum 2:1 für den FCA, er bescherte dem FC Bayern die einzige Niederlage im Spieljahr 2025/26 abseits der Champions League. In der Augsburger Vereinsführung halten sie Massengo aber nicht nur wegen des historischen Treffers für einen besonderen Typen. „Oha, was haben wir da für einen?“, staunte Michael Ströll, der Geschäftsführer, schon bei der Vertragsunterzeichnung im vorigen Sommer.
Die Formalien waren alle erledigt – da bat Han-Noah Massengo darum, die Szenerie noch einmal nachstellen zu dürfen. Und holte eine Kamera aus der Jackentasche. „Er wollte den Moment einfangen – ohne Ankündigung, das war total abstrus“, so Ströll. Ein Jahr später ist zu sehen, was daraus geworden ist: Massengo offenbarte dem FC Augsburg seine Begeisterung für kunstvolle Fotografie – und der Club unterstützte ihn darin: Massengo bekam eine Ausstellung in der ältesten Galerie der Stadt („Die Ecke“) gleich hinterm Rathaus, und die Fotografien aus dem Innersten des Vereins gibt es obendrein als Buch („Anyone knows how to say ,Behind the Scenes‘ in German?“).
Für den FCA war es eine Gelegenheit, „den Fans ein paar Details preiszugeben“ (Ströll), die sie auch nicht über die Social-Media-Accounts des Clubs erfahren, denn die dürfen nur selten Eindrücke aus der Kabine zeigen. „Han-Noah bringt das zum Vorschein, was hinter der Tür ist. Es sind freudige, traurige, intime Blicke, auch wenn die Mannschaft nicht im Kontext des Clubs unterwegs ist“. Der FCA ließ Massengo bei der Auswahl der Motive für Ausstellung und Buch freie Hand, CEO Ströll hält ihn für einen „sensiblen und vertrauenswürdigen Geist“.
Han-Noah Massengo hat schon an seinen vorangegangenen Stationen – unter anderem unter Vincent Kompany beim FC Burnley – fotografiert und in Paris und Nizza in kleinem Rahmen ausgestellt. Er fotografiert nicht digital, sondern analog. „Ich mag den Prozess daran.“ Das Kaufen von Filmen (»Ist gar nicht so schwer, findet man sogar bei dm“), ihr Einsenden ins Labor nach Paris, das Überraschtwerden von den Ergebnissen. In seinem noch jungen Leben hat er, so seine Schätzung, „50 bis 80 Kameras“ besessen, aktuell hat er „sechs, sieben“. Dafür ist er unterwegs auf Ebay und dem Portal Kleinanzeigen, gibt zwischen 250 und 1000 Euro für eine Kamera aus. Er kauft, er verkauft.
Weil es nicht nur Fotos aus der Kabine und dem Bus gibt, sondern auch welche von der Mannschaft, wie sie nach Spielen auf dem Platz vor der Fankurve steht: Ja, die Kamera ist auch draußen mit dabei. „Ich bitte jemanden vom Staff, sie auf der Bank aufzubewahren“, sagt Han-Noah Massengo, mit 33 Einsätzen, 29 in der Startelf, klarer Stammspieler in Augsburg.
„Wir hoffen, dass er noch lange bleibt“, sagt Michael Ströll. Der Vertrag läuft ja auch bis 2030. Fotobeweis liegt vor.GÜNTER KLEIN