ZUM TAGE

Warum nur bei den Radprofis?

von Redaktion

Nächtliche Dopingkontrollen

Wenn es zur Jahrtausendwende schon nächtliche Dopingkontrollen gegeben hätte – der Radsport wäre wohl um ein dunkles Kapitel ärmer. „Wir wären alle suspendiert worden“, sagte der geständige Doper und heutige Teammanager Jonathan Vaughters. Obendrein brachte der 53-jährige Amerikaner, früher Kollege von Lance Armstrong, ein gewichtiges Argument in die aktuelle Diskussion ein. Denn während vor 25 Jahren noch recht platt mit großen Blutbeuteln und Spritzen hantiert wurde, reicht heute Mikrodosierung zur Leistungssteigerung.

Peptide (EPO, hGH) oder Testosteron verbleiben oft nur noch wenige Stunden im Körper. Am Abend eingenommen, sind sie 24 Stunden später nicht mehr nachweisbar. Dabei spielen nicht nur höhere Wattwerte eine Rolle. Auch zur schnelleren Regeneration nach knüppelharten Bergetappen bringt Doping einen enormen Vorteil. Aufgrund der Vergangenheit und der Anfälligkeit des Radsports sind Kontrollen außerhalb der Normzeiten (6 bis 23 Uhr) also fachlich sinnvoll. Zudem haben die Fan-Massen, bis zu zehn Millionen säumen jährlich die Straßen, sauberen Sport verdient. Dass dieses Test-Schicksal – die International Testing Agency (ITA) hatte sich die Option im Vorfeld von einem Pariser Gericht erlauben lassen – bisher aber nicht auch Jannik Sinner oder Lionel Messi in gleichem Maße betrifft, ist hingegen nicht nachvollziehbar. Die ATP und die FIFA – beide machen sich die Welt oft, wie sie ihnen gefällt – haben aber eben wenig Interesse, ihre Stars so zu vergraulen.

Während die Red-Bull-Bora-Equipe am Montagabend (22 Uhr) noch halbwegs Glück hatte und Tadej Pogacar (5 Uhr) „nur“ ein wenig früher geweckt wurde, ist Jonas Vingegaards Kontrolle mitten in der Nacht (2 Uhr) schon sehr fragwürdig. Für Super-Sünder Armstrong war es gar „eine Frage der Menschenrechte“. Der Typ hat es offensichtlich immer noch nicht verstanden, aber natürlich wurde die Regeneration dadurch stark gestört. Darin, wie Pogacar, einen möglichen Grund für den anschließenden Sturz zu sehen, führt aber zu weit.MATHIAS.MUELLER@MERKURTZ.DE

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