Die neue Lockerheit: Thorsten Leibenath. © Kunz/dpa
München – Die ersten Zeichen der neuen Zeit haben die Basketballer des FC Bayern schon in den vergangenen Tagen gesehen. Thorsten Leibenath, der neue Sport-Geschäftsführer, sendete über die Sozialen Medien ein Video, in dem er den Fans von seinem Trip zur NBA Summer League berichtete. Es soll Teil einer Charmeoffensive sein. Man will Distanz herausnehmen, näher heranrücken an den Anhang. „Weil man nie vergessen darf, für wen wir das alles machen“, wie Leibenath sagte.
Was schon einiges von dem Stilbruch erahnen lässt, den der entthronte Meister mit den Personalien dieses Sommers wagt. Nach der Ära des allgegenwärtigen Marko Pesic und dem Intermezzo des stillen Riesen Dragan Tarlac setzt man nun auf den volksnahen Rheinländer Leibenath. Und auf dessen Kreativität, mit der er ratiopharm Ulm in den vergangenen Jahren mit kleinen Mitteln zum Topteam gemacht hat.
Genau das ließ Clubchef Herbert Hainer auch bei Leibenaths Vorstellung am Mittwoch anklingen. „Stars wie einen Mike James kann ich auch verpflichten“, sagte der Bayern-Präsident, „ich hoffe auf sein Auge.“ Auf die Möglichkeit, Spieler zu entwickeln, die sich derzeit international noch eher unter dem Radar bewegen. In diesem Zusammenhang ist auch das Projekt zu sehen, das ab Herbst am clubeigenen Campus entstehen soll. Dann sollen dort die Bauarbeiten an einem eigenen Performance Center beginnen. Voraussichtliche Bauzeit: zweieinhalb Jahre. Auch bei der Ausgestaltung dieses ehrgeizigen Entwicklungsprojektes setzt man auf die Expertise des neuen Chefs, der in Ulm mit dem „Orange Campus“ schon reichlich Erfahrung gesammelt hat.
Eine Frage ist allerdings auch, in welchem sportlichen Umfeld sich die Bayern dann bewegen werden. Die Avancen der NBA in Richtung Europa sind bekannt. Zuletzt machten sogar Meldungen die Runde, die nordamerikanische Profiliga hätte auch in Städten wie München gegebenenfalls sportliche und finanzielle Alternativen. Doch da winkt Hainer ab: „Sie können sich sicher sein, dass hier nichts ohne den FC Bayern passieren wird.“
Muss es wohl auch nicht – darauf deutet derzeit viel hin. NBA und der europäische Platzhirsch Euroleague sind dem Vernehmen nach in intensiven Gesprächen. Die vom langjährigen NBA-Funktionär Chus Bueno befehligte europäische Königsklasse betont ihre sportlichen Errungenschaften, in Übersee rückt man die wirtschaftliche Wucht in den Mittelpunkt. Man ahnt: Früher oder später werden Braut und Bräutigam schon zusammenfinden. Wenn man in München auch nicht unbedingt an den geplanten Starttermin zur Saison 2027/28 glaubt. „Das halte ich nicht unbedingt für realistisch“, betonte Hainer.
Die Bayern selbst würden sich natürlich ganz gerne auch sportlich in Stellung bringen. National nach der Nullrunde der abgelaufenen Saison ohnehin, Meisterschaft und Pokal sind fast schon Pflichtstücke. Doch auch international will man zumindest wieder näher an die Playoffs oder zumindest Play-Ins heranschmecken. Wie das aussehen könnte, kann man nach Verpflichtungen von Spielern wie den beiden amerikanischen Modellathleten Duane Washington Jr. oder Austin Wiley schon erahnen. „Und der Kader ist noch nicht fertig“, wie Leibenath sagte. So formuliert klang das fast wie eine Drohung.PATRICK REICHELT