Operiert und enttäuscht

von Redaktion

Teamchef Denk über Sturz von Lipowitz: „War viel zu schnell“

Florian Lipowitz verlässt nach seinem Sturz im Einzelzeitfahren den Medical Truck. © Tabeling/dpa

Thonon-les-Bains – Als das Peloton der Tour de France im sonnigen Chambery zum Start rollte, lag Pechvogel Florian Lipowitz noch immer im Krankenhaus und erholte sich von seinem heftigen Sturz. Sein zweites Frankreich-Abenteuer hatte sich der deutsche Podiumskandidat ganz anders vorgestellt. Statt auf den prachtvollen Champs-Élysées in Paris endete die Rundfahrt für den deutschen Profi schon am Fuße der Alpen in einer Klinik.

Er sei „mega enttäuscht“, sagte Teamchef Ralph Denk. Lipowitz war wenige Stunden nach seinem Sturz-Aus am gebrochenen Schlüsselbein operiert worden und wird mit einer Ausfallzeit von mindestens sechs Wochen rechnen müssen. Offen ist, wie die Saison für ihn weitergeht. „Ich gehe davon aus, dass man ihn in diesem Jahr noch auf dem Rad und bei Rennen sehen wird“, sagte Denk.

Für die Vuelta in Spanien (22. August bis 13. September) oder die WM in Montreal (20. bis 27. September) dürfte es kaum reichen. Möglicherweise sind im Herbst noch Eintagesrennen wie die Lombardei-Rundfahrt (10. Oktober) möglich.

Beim Red-Bull-Team herrschten am Abend im schmucklosen Teamhotel Campanile Findrol Savoie Leman gemischte Gefühle. Als Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel nach seinem zweiten Etappensieg in Folge zum Team sprach, erwähnte er zuallererst Lipowitz. „Es ist ein großer Verlust für uns, aber in erster Linie für ihn und die Opfer, die er gebracht hat, um hierherzugelangen“, sagte der aktuell Zweitplatzierte hinter Dominator Tadej Pogacar. „Wir werden ihn vermissen“, schob er hinterher.

Für Lipowitz lief die Tour von Anfang an unglücklich. Evenepoel selbst setzte eine Macht-Duftmarke, als er Lipowitz gleich nach der ersten Gebirgsherausforderung in den Pyrenäen für fehlende Unterstützung harsch kritisierte. Danach wurde zwar öffentlich beteuert, wie gut die Stimmung sei, doch das Verhalten dürfte Spuren beim zurückhaltenden Lipowitz hinterlassen haben.

Denk verteidigte die Herangehensweise des Teams. „Wir sind froh, dass wir die Doppelstrategie gewählt haben“, sagte er angesichts des möglichen zweiten Gesamtrangs in Paris durch Evenepoel. Dass Lipowitz teils anders auftrat, als noch in seiner Debüt-Saison wollte Denk nicht auf Evenepoel beziehen. „Dieses Jahr ist er schon gestartet mit einer Riesen-Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland. Das ist der Unterschied. Und Remco, glaube ich, hat ihm da viel Druck eher genommen.“

Ob man den Sturz hätte verhindern können? Lipowitz hatte laut Denk „sehr, sehr viel Geschwindigkeit drauf“. „Wahrscheinlich zu viel. Also ich sehe sonst keinen anderen Schuldigen.“ Dennoch warf er die Frage auf, ob man möglicherweise den Gehsteig in der Kurve besser hätte absichern können. Zudem hätte mehr Trainingszeit auf dem Kurs nicht geschadet. Lipowitz war in einer gefährlichen Rechtskurve zu Fall gekommen und gegen den Bordstein geschlittert.DPA

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