ZUM TAGE

Zwischen Romantik und Realität

von Redaktion

Bayern am Tegernsee und in Asien

Dass es in München einen Verein gibt, der größer denken darf als ein anderer, ist seit Jahren – ach was! – Jahrzehnten kein Geheimnis. Und so verwundert es auch nicht, dass die PR-Tour des TSV 1860 in den vergangenen Wochen einen anderen Radius hatte als jene, die auf den FC Bayern wartet. Von Forstinning über Schwaig bis nach Tittmoning, aus Moorenweis nach Deisenhofen, Aindling und Berglern sind die Löwen gekommen – oder anders gesagt: durch die bayerischen Dörfer getingelt. Eine Tour für Fußballromantiker? Oder doch eher die natürlichen Grenzen eines insolventen Traditionsclubs? Die einen sagen so, die anderen so.

Es gab Zeiten, da hat es die Bayern mehr interessiert, was die Blauen machen. Weil die Ansprüche zwischen Triple und Drittliga-Aufstieg aber doch inzwischen weit auseinanderklaffen, kann der ungeliebte Nachbar nur noch als plakatives Beispiel für gelebte regionale Fannähe dienen. 1860 ist notgedrungen dort präsent, wo die Bayern im zweifellos immer größer werdenden Spagat zwischen Heimatverbundenheit und globalem Wettbewerb so oft wie nötig, aber doch so wenig wie möglich anzutreffen sind. Bisher ist man dahoam und auf der ganzen Welt zugleich. Allein das ist eine Leistung!

Aktuell liegen 10.000 Kilometer zwischen dem Frauen-Team auf PR-Reise in Tokio und dem Trainingslager-Ort Rottach-Egern, an dem die Herren ab Montag Station machen. Vier Tage, dann geht es für das Team von Vincent Kompany ab nach Südkorea und Hongkong in eine ganz andere Welt. Die Vorbereitung ist eng getaktet und schlaucht, beide Teile aber sind unverzichtbar, will man im Konzert der Großen den Anschluss nicht ganz verlieren. Denn während Investoren, Scheichs oder Staaten längst Milliarden in die internationale Konkurrenz pumpen, müssen die Bayern-Macher kreativer sein als der Rest.

Bis jetzt ist das einigermaßen gut gelungen; dass die 50+1-Regel aber intern genauso diskutiert wird wie die Veräußerung der noch verfügbaren fünf Prozent Anteile an der AG, ist nur logisch. Nur Romantik geht im Fußball nicht mehr. Das mussten auch die Löwen seit 2011 schmerzhaft erfahren.

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