Wo ist der Löwe?

von Redaktion

Der TSV 1860 ohne sein berühmtes Wappen: Verein erklärt FA-Logo – Ismaik kontert

Neustart im ungewohnten Outfit und neuem Logo. © Wagner/Imago

Hat es sich ausgeschwungen mit dem Löwen? Florian Niederlechner findet den Verzicht auf das berühmte Logo traurig: „Der Löwe gehört einfach zu Sechzig.“ © Feiner/Imago

München – Blütenweißes Trikot, auf der Brust das Wappen der Fußballabteilung (FA). Die 23 Jerseys, mit denen die Löwen am Dienstag in Berglern ihr erstes Pflichtspiel nach dem Neuanfang bestritten (5:0 in der ersten Runde des Totopokals), sind schon jetzt begehrte Sammlerstücke. Nach Informationen unserer Zeitung sollen 22 in Kürze versteigert werden, eins wandert ins Vereinsarchiv. Doch nicht jeder ist glücklich darüber, dass ausgerechnet auf diesem historischen Trikot das gewohnte Wappentier fehlt – der berühmte Löwe im Achteck. „Ich finde es schon traurig“, gibt Florian Niederlechner, erster Torschütze der neuen Spielbetriebs-GmbH, offen zu. „Der Löwe gehört halt einfach zu Sechzig.“

Warum also läuft der TSV 1860 in der emotionalsten Phase seit Jahren ohne sein bekanntes und beliebtes Logo auf? Auf diese Frage lieferte der Verein am Mittwochabend eine ausführliche Antwort. Der e.V. vertrete zwar weiterhin „die klare Rechtsauffassung“, dass ihm die uneingeschränkte Nutzung des Löwen im Achteck zustehe. Gleichzeitig wolle man jedoch „keine zusätzlichen rechtlichen Auseinandersetzungen oder Diskussionen“ entfachen. Deshalb setzt die neue Spielbetriebs-GmbH bei kommerziellen Anwendungen – etwa auf den Trikots – vorübergehend auf das historische FA-Wappen.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ ist diese Entscheidung vor allem eine Vorsichtsmaßnahme. Dem Bericht zufolge will der Verein mögliche Markenrechtsstreitigkeiten mit der vorinsolventen KGaA und der zu Hasan Ismaik gehörenden Merchandising GmbH gar nicht erst provozieren. Aus Vereinskreisen wird die Strategie mit den Worten zusammengefasst: „Es wäre aktuell viel zu stressig.“

Dass die Sorge vor einer juristischen Auseinandersetzung nicht unbegründet ist, zeigt ein weiteres Detail aus dem SZ-Bericht. Demnach liegt der Zeitung ein Schreiben der Kanzlei von Ismaiks Anwalt Peter Gauweiler vor. Darin soll KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula aufgefordert werden, gegen angebliche Markenrechtsverletzungen vorzugehen. Konkret geht es unter anderem um das Sondertrikot zum 60. Meisterschaftsjubiläum sowie das neue Vereinstrikot des e.V.

Nur wenige Stunden nach der Stellungnahme des Vereins meldete sich auch Ismaik selbst zu Wort. „Ist das das Wappen, das die Identität schützen soll?“, fragte der Jordanier auf seinen Kanälen und erinnerte daran, dass jahrelang der Schutz der Löwen-Identität beschworen worden sei. Nun müsse erklärt werden, „wie 1860 an einen Punkt gelangen konnte, an dem selbst die Verwendung seines zentralen Symbols zu einer komplizierten rechtlichen und kommerziellen Frage geworden ist“.

Der Verein hält dagegen. „Der Löwe verschwindet deshalb keineswegs“, heißt es. Er bleibe Teil des TSV 1860, werde weiterhin auf Vereinskleidung des Hauptvereins, im Fanshop, im Grünwalder Stadion und überall dort verwendet, wo keine kommerzielle Nutzung betroffen sei. Das FA-Wappen auf der Brust der ersten Mannschaft sei lediglich eine Übergangslösung – bis die Rechtslage endgültig geklärt ist.

Sportlich läuft der Neuanfang nach Plan: Niederlechner & Co. stehen in der zweiten Runde des Totopokals, die heute ausgelost wird (12.30 Uhr, live im Instagram-Kanal des BFV). Juristisch dürfte das letzte Wort dagegen noch lange nicht gesprochen sein. Der berühmteste Löwe des deutschen Fußballs ist nicht verschwunden. Im Moment muss er nur ausgerechnet dort weichen, wo ihn die Fußballfans am liebsten sehen: auf den Trikots der Profimannschaft.ULI KELLNER

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