Keiner kann ihn stoppen: 900 Meter vor dem Ziel setzte Tadej Pogacar die entscheidende Attacke. © Camus/dpa
Alpe d‘Huez – Vor der traumhaften Bergkulisse im Radsport-Mekka Alpe d‘Huez riss Tadej Pogacar wie ein Box-Champion die Arme in die Höhe, dann sackte der Tour-Patron erleichtert und erschöpft auf den Asphalt. „Es ist so cool, hier zu gewinnen“, sagte der slowenische Ausnahmekönner nach seiner Klettershow inmitten riesiger Zuschauermassen.
Mit seinem ersten Triumph im legendären Skiort ist dem slowenischen Ausnahmekönner das Gelbe Trikot bei der 113. Frankreich-Rundfahrt kaum mehr zu nehmen – ungeachtet der Krankheitswelle in seinem UAE-Team. „Wir sind Vollgas gefahren, denn die Ausreißer waren weit weg. Ich hatte gute Beine und es gibt nicht mehr viele, die mit mir mithalten können“, sagte Pogacar, nachdem er auf den 21 berühmtesten Serpentinen der Welt sogar den mehr als 30 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani in 35:26 Minuten für den Schlussanstieg pulverisiert hatte.
Wieder einmal fuhr der Ausnahmekönner in seiner eigenen Liga. Seine Rivalen ließ er förmlich am Berg stehen, 900 Meter vor dem Ziel schüttelte der Superstar auch die letzten Ausreißer ab. Dann stieß er die Siegerfaust in den Himmel. Nach 127,9 Kilometern holte sich Pogacar den Sieg vor dem Franzosen Lenny Martinez und Tokio-Olympiasieger Richard Carapaz aus Ecuador.
Vor Teil zwei des Alpe-d‘Huez-Spektakels – am Samstag geht es wieder in den Alpen-Ort – liegt Pogacar in der Gesamtwertung nun komfortable 7:11 Minuten vor Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und 9:42 Minuten vor dem Mexikaner Isaac del Toro. Nur ein Sturz oder eine Krankheit können den Weltmeister wohl noch stoppen. Letzteres sorgt bei UAE für Alarmstimmung. Ein Virus geht um, mehrere Fahrer waren auf den letzten Etappen bereits arg beeinträchtigt.
Pogacars Helfer Nils Politt zeigte sich noch nicht beunruhigt. „Man hört von vielen Fahrern im Feld, dass sie angeschlagen sind und krank sind“, sagte er. Die Profis aus dem UAE-Team haben schon während der gesamten Rundfahrt Einzelzimmer. „Wir versuchen uns zu separieren“, so Politt.
Pogacar war beim Spektakel in Alpe d‘Huez jedenfalls in prächtiger Form. „Dieses Jahr wird es ikonisch sein, weil wir zweimal dort hochfahren“, hatte der Superstar prophezeit. Und so kam es auch. Auf dem Weg zu seinem fünften Etappensieg bei der Tour 2026 sorgten mehr als eine halbe Million Zuschauer am Berg für eine Tollhaus-Atmosphäre. Tausende Radsport-Fans hatten bereits die Nacht in Zelten und Wohnwagen an den Hängen verbracht, an der Strecke herrschte zum Teil Megapark-Stimmung.
Als dann die Stars der Branche den 13,8 Kilometer langen und durchschnittlich 8,1 Prozent steilen Schlussanstieg hinaufkletterten, bot ihnen das Spalier der Zuschauermassen nur noch eine kleine Gasse.
Und an diesem Samstag legt die Tour de France noch einen drauf: Die Königsetappe mit 5450 Höhenmetern erneut auf den Alpe d‘Huez wird „der härteste Tag“, weiß auch der König der Alpen.DPA