ZUM TAGE

Der konfrontative Bundestrainer

von Redaktion

Erster Eindruck von Jürgen Klopp

Das war also der erste Auftritt von Jürgen Klopp als Bundestrainer. Und auch wenn das eigentlich immer so ist, wenn es auf dieser Stelle zum Dienstantritt eines Neuen kommt, herrschte Interesse, das sich historisch anfühlte. Die Angestellten des DFB drängten in den kleinen Pressekonferenzraum, das öffentlich-rechtliche Fernsehen nahm eine Live-Schalte ins Programm. Die Fußball-Nationalmannschaft interessiert auch dann noch, wenn sie die dritte WM in Folge vergeigt hat – und Jürgen Klopp ist unbestreitbar eine große Nummer. Vor ein paar Jahren noch, zu seiner Liverpool-Zeit, war es nicht vorstellbar, dass er mal diesen Posten übernehmen würde.

Wenn man nun Stilnoten vergeben will für dieses Debüt, dann wird es keine Topzensur sein. Natürlich ist es von immensem Wissen und einem Schatz an Erfahrung gedeckt, was Jürgen Klopp zu sagen hat, und selbstverständlich ist ihm die Kompetenz zuzugestehen, auch ohne Verbandserfahrung einen guten Job zu machen beim DFB. Doch die Tonlage vor allem zu Anfang seines Vortrags war doch befremdlich. Gerichtet an die Medienwelt: ein unverblümtes „Wenn ihr nicht mitmacht, bin ich gleich wieder weg“. Er monierte, wie mit Julian Nagelsmann umgegangen wurde – dabei war er, auch wenn er dies nun bedauert und „einen der schlechteren Tage meines Lebens“ nennt, an der Demontage seines Vorgängers mit der „Noch“-Bemerkung beteiligt. Klopp stand als WM-Experte eben noch auf der Seite der Kritisierenden, und nach mittlerweile Jahrzehnten im Business sollte er wissen, dass in einer Demokratie nicht das Weglassen von (Er-)Kenntnissen die Aufgabe der freien Presse ist, sondern das Vermelden und Bewerten. Auch Julian Nagelsmann hatte schon eine solch abstruse Mitmach-Forderung gestellt.

Keine Frage: Es können bessere Jahre für den deutschen Fußball werden als zuletzt, aber es werden ganz sicher konfrontative Jahre werden. Schon dass Klopp seinen Berater mit in den Verband bringt, ist eine Konstellation, die den Medien keine andere Wahl lässt, als sehr genau hinzusehen.

Guenter.Klein@merkurtz.de

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