Löwen-Vergangenheit: Greilinger im B-Jugend-Derby gegen Bayern. © Imago
Alte Pokal-Bekanntschaft: Fabian Greilinger beackerte Michael Olise nach Kräften, am Ende gewann Bayern knapp mit 3:2. © Coleman/Imago
Wiesbaden – Egal, wohin die Reise des FC Bayern in dieser Saison führt: Sie wird ihren Ursprung in Wiesbaden genommen haben. Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt Drittligist Wehen den Rekordmeister im Rahmen des 100-jährigen Vereinsjubiläums zum ersten Testspiel der Saison – und einer freut sich besonders: Ex-Löwe Fabian Greilinger (25), wie schon beim 2:3 in der ersten Pokalrunde 2025 bis in die Haarspitzen motiviert.
Herr Greilinger, Wehen steht voll im Training – ein Vorteil gegenüber den Bayern?
Wir arbeiten schon seit Wochen fleißig, sind voll im Saft und brutal marschiert seit dem Start. Und in Richtung Bayern sollte nach dem Trainingslager dann auch die Frische wieder in den Beinen sein. Ich hoffe, dass wir dann den entscheidenden Tick frischer sind.
Ein 20:1 wie letzte Woche gegen den TuS Medenbach wird es wohl nicht werden…
Das nicht, aber einen Sieg würden wir schon nehmen (lacht). Letztes Jahr im DFB-Pokal waren wir knapp dran – aber da war es noch mal etwas anderes. Da waren alle Stars dabei und es ging ums Weiterkommen. Für den Verein und die Region ist aber auch dieses Spiel zum Jubiläum etwas Besonderes, ein echtes Highlight. Wir geben Vollgas! Gerade ich, denn jeder weiß ja, dass dieses Spiel für mich noch mal besonderer ist (schmunzelt).
Ihr Löwen-Herz haben Sie auch letztes Jahr beim 2:3 im DFB-Pokal auf dem Platz gelassen.
Das stimmt. Danach war es ein ganz komisches Gefühl: Man war traurig – aber man war auch extrem stolz auf die Leistung. Hätte vorher jemand gesagt, „ihr verliert nur knapp, es wird richtig spannend“ – das hätte doch jeder von uns unterschrieben. Ich sag mal so: Gegen Bayern kann man mal verlieren…
Wie lange hat Michael Olise denn noch von Ihnen geträumt?!
Womöglich das eine oder andere Mal. Ich habe ihn schon stark bearbeitet und gemerkt, dass er mit der Zeit ein wenig sauer wurde (lacht).
Wie oft haben Sie eigentlich schon gegen Bayern gespielt?
Vier-, fünfmal bestimmt. In der Jugend mit Sechzig gegen Bayern zu spielen, war auch nochmal was anderes. Das hat dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien geglichen. In so einem Derby ging es wahnsinnig körperlich her. Jeder hat sich zerrissen!
Wie war die Verteilung Bayern-Löwen-Fans in Ihrer Generation?
Das ist immer weiter in Richtung rot gekippt. In der Schule gab es immer Ausflüge zu Bayern-Spielen – aber nicht zu den Löwen-Spielen. In meinem engen Umkreis sind aber schon sehr, sehr viele Sechziger. Auch die Familie meiner Freundin. Auch wenn ich sie nicht danach ausgesucht habe…
Mussten Sie sich eigentlich zwischen Bayern und Sechzig entscheiden in der Jugend?
Ich war zwischendurch auch mit Bayern im Austausch und habe mir das angehört. Aber nur anstandshalber. Wirklich infrage gekommen ist es für mich nicht.
Wie viel Münchner steckt denn noch in Ihnen – und wie viel Wiesbadener schon?
Ich fühle mich in Wiesbaden und der Region sehr wohl. Trotzdem steckt noch viel Münchner in mir. Meine Freundin arbeitet noch dort. Dementsprechend bin ich an freien Tagen oft da und genieße es. Der Plan ist, bis zur Länderspielpause möglichst viele Punkte zu holen. Dann kann ich an den freien Tagen den einen oder anderen Abstecher zur Wiesn machen.
Sicher auch mit Löwen-Freunden. Wie haben Sie die letzten Wochen aus der Ferne verfolgt?
Wir waren im Urlaub und hatten Zeitverschiebung. Meine Freundin war schon wach und sagte: „Sechzig geht in die Regionalliga!“ Da war ich auch wach. Ich bin zwar immer noch gut informiert, aber nicht mehr so nah dran, dass ich täglichen Einblick habe. Es spielen dort auch nicht mehr so viele meiner Mitspieler von damals.
Ihr Name ist in München gespielt worden – wollen Sie mit Gerüchten aufräumen?
Mir wurde das auch zugetragen. Die aktuelle Vereinsführung ist natürlich bemüht, einen Kader zusammenzustellen mit Spielern, die sich mit dem Verein identifizieren und Vollgas geben. Aber ich habe noch ein Jahr bei Wehen Wiesbaden Vertrag. Ich fühle mich pudelwohl, habe mir hier große Ziele gesteckt und möchte mit Verantwortung vorweg gehen. Hoffentlich stehe ich in einem Jahr am Rathausbalkon und feiere den Aufstieg. Trotzdem weiß ich auch: Fußball ist Tagesgeschäft und Sechzig mein Herzensverein.
Ihr Wunschszenario für das Ende der Saison: Wo steht Bayern, wo Sechzig, wo Wehen?
Wir steigen auf, Sechzig steigt auf – und Bayern wird nicht Meister (lacht).
INTERVIEW: HANNA RAIF