Zuständig für den „Fußball in Gänze“

von Redaktion

Per Mertesacker wird zum 1. Januar Geschäftsführer beim DFB – Kontakt bestand seit eineinhalb Jahren

Vom TV-Experten zum DFB-Boss: Per Mertesacker. © Weller/dpa

Frankfurt – Der Freitag war in Frankfurt nicht nur Klopp-Tag. Auch ein anderer, der die Geschicke des DFB in der Zukunft lenken soll, stellte sich in den Räumlichkeiten des Campus den Entscheidungsträgern des Verbands vor: Per Mertesacker. Anders als der neue Bundestrainer wurde er aber noch nicht in offiziellem Rahmen präsentiert. Dienstbeginn als Geschäftsführer Sport ist nämlich erst am 1. Januar 2027 – und bis Jahresende Andreas Rettig, der das bisher macht, noch im Amt.

Es schien, als hätte der Weltmeister von 2014 sich vom ZDF-Expertensofa während der WM selbst ins Spiel gebracht, als er sagte, er wolle dem Fußball gerne etwas zurückgeben (was Ex-Kicker immer sagen, wenn sie eine Beschäftigung suchen). Doch DFB-Präsident Bernd Neuendorf widerspricht der These, der Kontakt habe sich erst dadurch ergeben. „Die Wahrheit ist: Andreas Rettig, Rudi Völler und ich sind schon seit eineinhalb Jahren mit Per im Gespräch gewesen. Er hat immer signalisiert, dass er sich vorstellen könne, eine solche Aufgabe zu übernehmen.“ Der Vertrag von Rettig als Geschäftsführer war bis zum 31. Dezember 2026 befristet, kürzlich hatte der einstige scharfe Verbandskritiker verlauten lassen, dass er nicht verlängern werde. Mertesacker wiederum hatte nach sieben Jahren als Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal seinen Abschied aus London verkündet. Im ZDF sagte er während der WM, dass er die Zeit dort – zuvor hatte er in der Premier League gespielt – reflektieren wolle. Das kann er noch ein paar Monate tun, ehe es für ihn in Frankfurt losgeht.

„Er wird sich nicht nur um die A-Nationalmannschaft der Männer kümmern, sondern um den Fußball in Gänze“, erklärt Neuendorf. Also fallen auch die Frauen (spielen 2027 WM in Brasilien) und die U-Nationalmannschaften in Mertesackers Bereich. „Nationalmannschaft und der Bereich von Hannes Wolf – das alles wird unter Pers Führung vereint“, so DFB-Boss Neuendorf. Wolf, ehemals Bundesligatrainer, arbeitet seit Jahren am neuen Nachwuchskonzept für den deutschen Fußball, das die Dribbler stärker fördern und die Basis verbreitern soll. Innovationen, die nicht überall Beifall finden und die auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke heftig (und wenig fachkundig) kritisiert hatte. Für Hannes Wolf ist die Berufung von Jürgen Klopp ins höchste Traineramt aber ein Vorteil. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Dortmunder Zeit. „Es wird Hannes helfen, dass ich hier bin“, versichert Klopp. Schließlich kann er am besten Aki Watzke einfangen, der nach eigener Aussage „davon geträumt“ hat, „noch einmal mit Jürgen zusammenzuarbeiten“.

Die Personalie Mertesacker ging ohne Gegenstimme durch. Der 41-Jährige hatte zuvor auch eine öffentliche Empfehlung von Bayern-Patron Uli Hoeneß bekommen. Aufgrund seiner reflektierten Art und seiner Erfolge in der Nachwuchsarbeit ist er der klassische Konsenskandidat.GÜNTER KLEIN

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