ZUM TAGE

Ein Star, den man nicht hassen kann

von Redaktion

Pogacar: Unschlagbar sympathisch

Ein kometenhafter Aufstieg, Vergleiche mit den größten Legenden der eigenen Sportart, eine Titelsammlung, die fast schon unfair erscheint. Schumacher, Vettel, Hamilton und Verstappen prägten jeweils Formel-1-Epochen – waren in ihrer Blütezeit kaum zu schlagen. Im Darts das gleiche Bild: Nach Phil Taylor erbte Michael van Gerwen den Titel des Dominators, brach sämtliche Rekorde, die jetzt das Jahrhunderttalent Luke Littler auf das nächste Level bringt. Auch im Fußball gibt es Vereine, die man lieben oder hassen kann. Der FC Bayern ist in Deutschland das beste Beispiel. Gefühlt ganz Deutschland wollte den Serienmeister fallen sehen.

Es ist für die Fans einer Sportart eine Gratwanderung. Man feiert die historischen Leistungen, will aber auch Spannung haben. Genau vor diesem Problem steht der Radsport. Tadej Pogacar verlor seit nun drei Jahren keine Grand Tour mehr. Bei der diesjährigen Tour de France war der Funke Hoffnung auf Spannung schnell erloschen.

Doch die Geschichte des Alleskönners ist eine andere. Natürlich ist er Rekordjäger. Nicht umsonst sprach er Anfang des Jahres dem Ein-Tages-Monument Paris – Roubaix eine höhere Bedeutung zu als dem eigentlichen Radsport-Highlight. Der Kopfstein-Klassiker fehlt ihm noch in seiner Vita, die Tour gewann der 27-Jährige am Sonntag zum fünften Mal.

Und trotzdem gönnt man ihm jeden Erfolg. Als er am Samstag mit rund einer Minute Rückstand auf den letzten Abschnitt des Alpe d‘Huez abbog, wo er bereits am Freitag gewonnen hatte, wartete man nur auf seine Attacke. Doch die blieb aus. Brüderlich blieb Pogacar bei Teamkollege Isaac Del Torro und zog ihn förmlich den Berg hoch. Neben dem unbedingten Siegeswillen zeigt er auch immer wieder Teamplayer-Qualitäten, und dass es mehr gibt als den reinen Erfolg. Genau das macht ihn zu einem Dominator, dem man noch lange zuschauen will, wie er den Radsport in neue Sphären hievt.

Bei Vettel, van Gerwen, dem FCB und Co. war man irgendwann froh, dass es einen Widersacher gibt. Und das wird auch im Radsport so sein, aber bis dahin darf man sich an Pogacars Leistungen erfreuen.

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