Kritischer Blick: Kompany bei der Test-Pleite. © Anspach/dpa
Hat Spaß im Bayern-Trikot: Palhinha spielte in Wiesbaden das erste Mal seit über einem Jahr für den Rekordmeister. © Anspach/dpa
Wiesbaden – Joao Palhinha nahm sich Zeit – und drei Jungs aus Wiesbaden freuten sich. Hier ein Foto, dort ein Autogramm, am Ende sogar noch ein Handschlag: Als der Portugiese nach dem 1:2 (0:1) im ersten Testspiel der Saison die „Brita Arena“ in Richtung Bus verließ, hätte man meinen können, da bereitet jemand die kleinen Fans auf seinen Abschied vor. Dass der Verkaufskandidat Nummer eins im Kader des FC Bayern nur ein paar Meter weiter Worte von sich geben würde, die genau auf das Gegenteil schließen lassen, konnte wirklich niemand ahnen. Aber tatsächlich, sie kamen – und stellen den FC Bayern aller Voraussicht nach vor ein dickes Problem.
Im Vorbeigehen raunte Palhinha nämlich auf eine entsprechende Frage nach seiner Zukunftsplanung: „Mein Plan ist, meine Position hier zu behalten.“ Und nicht nur die umstehenden Reporter blickten sich ratlos an – auch bei Max Eberl und Christoph Freund kam die Aussage im wartenden Mannschaftsbus an. Die Fragen, die sich alle Beobachter stellten: Hat Joao Palhinha in den ersten 45 Minuten Spielzeit der Saison umgedacht? Pokert er? Oder will er die Bayern nach zwei unrühmlichen Jahren inklusive Leihe nach Tottenham einfach nur ein wenig ärgern? Alles drei mögliche Optionen, die dennoch zum selben Ergebnis führen: Palhinhas Kampfansage ist platziert – und jeder weiß, dass sie konträr zu den Planungen steht, die der FC Bayern mit dem Mittelfeldspieler hat.
Freunds Aussagen, ein paar Minuten zuvor gesprochen, hatten nämlich keinen Interpretationsspielraum gelassen. Über Palhinha und Sacha Boey (zuletzt Galatasaray Istanbul), die beim müden Sommer-Kick in Wiesbaden je 45 Minuten auf dem Feld gestanden hatten, hatte der Österreicher nämlich gesagt: „Sie wissen Bescheid. Sie trainieren jetzt mit, aber sie werden in unserer Planung keine große Rolle mehr spielen.“ Beide seien „gute Spieler“, die „ordentlich trainieren“, und werden so lange „dabei bleiben“, bis sich Käufer finden. Klar sei nämlich, dass sie „die nächsten Schritte woanders gehen“ sollen. Das klang nach einem Basta – das Palhinha allerdings noch nicht erreicht hatte.
So steht nun Aussage gegen Aussage, verbunden mit dem Verkaufsdruck, der vom Aufsichtsrat auf Eberl ausgeübt wird. Mehr als 20 Millionen stellt man sich für Palhinha vor, Sporting und Benfica Lissabon sowie Aston Villa ist das zu viel. Es stehen daher Leihgeschäfte im Raum, die Freund und Eberl allerdings tunlichst vermeiden wollen. Noch ist die Transferphase „lang“, beide Spieler hätten zudem „einen Markt“, sagte Freund. Dem sportlichen Führungs-Duo aber ist die Dringlichkeit von Einnahmen nach den kostspieligen Transfers von Nathaniel Brown und Ismael Saibari bewusst. Die einfache Formel aus dem Aufsichtsrat: Keine Verkäufe – keine Käufe.
Freund baute schon mal vor, indem er sagte: „Im Kader wird nichts mehr Großes passieren in Richtung Zugänge.“ Nach „zwei Wunschtransfers“ sei man „gut aufgestellt“, zudem wolle man bewusst „nicht zu groß sein“. Wohl einen neuen Vertrag erhalten wird Mittelfeld-Juwel Bara Sapoko Ndiaye (Freund: „Gehe davon aus, dass er mit uns normal in die Saison startet“) – und unverkäuflich ist und bleibt Michael Olise. Freunds Antwort auf die Avancen aus Madrid: „Er wird ganz eine wichtige Rolle nächstes Jahr beim FC Bayern spielen.“ Auch das klang wie ein Basta. Nur anders als bei Palhinha.HANNA RAIF