Gemeinsam zum DFB: Pep Lijnders begleitet Jürgen Klopp bei dessen neuer Aufgabe. © IMAGO/Jonathan Moscrop
München – Wenn Pepijn Lijnders erklären will, warum er Jürgen Klopp für einen großartigen Menschen hält, dann erzählt er die Geschichte von der Kastanie, die er im Trainerbüro des FC Liverpool auf seinen Platz vorfand.
Lijnders, den alle „Pep“ rufen, hatte seinem Vorgesetzten Klopp die Lektüre des dänischen Thrillers „Der Kastanienmann“ empfohlen. Es wäre nicht ungewöhnlich gewesen, wäre dieser Tipp verpufft und die Sprache nie mehr auf das Buch gekommen. Doch schon am nächsten Morgen lag eine Kastanie an Lijnders‘ Abeitsplatz. „Kastanien“, so Lijnders, „spielen in der Geschichte eine große Rolle, es verheißt nichts Gutes, wenn sie auftauchen.“ Jürgen Klopp hatte also einen Gag gelandet – und signalisiert: Was sein Assistent sagte, kam bei ihm an, wurde wahr- und aufgenommen.
Pep Lijdners (43), Niederländer, wird einer der Co-Trainer Jürgen Klopps bei der deutschen Nationalmannschaft sein. Hierzulande ist er trotz seiner Tätigkeit beim geografisch nahen FC Red Bull Salzburg ziemlich unbekannt. Doch Lijnders kennt Klopp, wie nur wenige es tun – und er behält seine Erkenntnisse nicht für sich: Im Jahr 2023 hat Lijnders ein Buch veröffentlicht, „Inside Liverpool FC – Intensität ist unsere Identität“. Während der gesamten Saison 2021/22 machte er sich Notizen – über die Trainingseinheiten, die Spiele, er sammelte die Chats in der WhatsApp-Trainergruppe. Klopp hatte gegen eine Veröffentlichung nichts einzuwenden. Er steuerte sogar das Vorwort zu „Inside Liverpool FC“ bei. Über den mitteilungsfreudigen Mitarbeiter schrieb er: „Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Fußball-Sozialismus gibt, aber wenn ja, dann ist Pep einer seiner Bannerträger. Er glaubt, dass wir das Spiel, das wir lieben, bereichern, wenn wir Ideen und Erfahrungen teilen. Und dass das Fanerlebnis dadurch noch beglückender wird.“
Lijnders war schon da, als Klopp 2015 in Liverpool anfing. „Unser Besitzer Mike Gordon bat mich ausdrücklich, Pep im Trainerteam zu behalten“, erinnert sich Klopp. Zuvor war Lijnders Techniktrainer beim FC Porto gewesen. Jetzt bei seiner Präsentation nannte Klopp Lijnders einen „außergewöhnlichen Trainer“, im Liverpool-Buch lobte er ihn als „jung, enthusiastisch, klug“. Was Lijnders aber nicht kann: Chef sein. Er scheiterte beim niederländischen Zweitligisten Nijmegen (2018 – darauf kehrte er nach Liverpool zurück) und in Salzburg (2024, auch dort ging es nur ein halbes Jahr).
Pep Lijnders fand im Zusammenspiel mit Klopp die passende Mischung aus Unterordnung und Partnerschaft. Grundsätzlich ist Lijnders von Klopp begeistert: „Es heißt immer, man sei ein Produkt seines Umfelds, aber manche Menschen besitzen die Gabe, ganz aus sich heraus ein Umfeld zu schaffen.“ Klopp wiederum sagte nun beim DFB in Frankfurt: „Meine Co-Trainer sind es, die mich challengen.“ Weil im Liverpooler Trainerstab neben Padel auch Schach gespielt wurde, versuchte Pep Lijnders, sich mit einem Lehrbuch von Ex-Weltmeister Garri Kasparow zu verbessern.
Begleitet hat Lijnders mit seinem Buch die Liverpool-Saison 2021/22. Deren Ergebnisse: gemischt. Man gewann Liga- und FA-Pokal, nicht aber die Meisterschaft und schied in der Champions League aus. Das Motto hatte gelautet: Jedes Training ist ein Wettkampf („Ein Meisterwerk des Gegenpressings“), jedes Spiel ein Finale. In Liverpool, so erzählt Lijnders, habe man nie auf eine leichte Auslosung in der Champions-League-Gruppenphase gehofft, „sondern gejubelt, wenn es gleich gegen die richtigen Brocken ging“. Passt dann ja, dass Klopps Bundestrainer-Zeit fordernd beginnen wird: In der Nations League in Amsterdam gegen die Niederlande.GÜNTER KLEIN