„Kapital kann jeder mitbringen“

von Redaktion

Müller & Co. vor Einstieg bei Amadora – Vereinsboss Krüger erklärt die portugiesische Fußball-Struktur

Das Stadion von Estrela Amadora. © De Sousa/Imago

München – Johannes Mösmang, früher Integrationsbeauftragter beim FC Bayern, steht vor dem Einstieg als Club-Boss bei Portugals Erstligist Estrela Amadora. Seine früheren FCB-Kollegen Thomas Müller (Vancouver Whitecaps), Mats Hummels (Karriereende) und Yann Sommer (Club Brügge) sollen dabei strategisch agieren, den finanziellen Hauptanteil andere Investoren stemmen. Macht das Sinn? Unsere Zeitung sprach mit Felix Krüger, einst rechte Hand von FCB-Sportvorstand Max Eberl bei RB Leipzig und inzwischen selbst Vereinsboss des portugiesischen Viertligisten Sintrense.

Herr Krüger, was halten Sie vom Einstieg von Müller & Co. bei Estrela Amadora?

Ich finde das erst einmal eine gute Nachricht, und zwar für den portugiesischen Fußball insgesamt. Dass Menschen mit echter Fußballbiografie hier unternehmerisch aktiv werden, spricht für den Markt. Portugal ist unterschätzt, und je mehr ernsthafte Leute das erkennen, desto besser wird das gesamte Umfeld.

Die Rede ist von mehr als 20 Millionen Euro Invest.

Zu den Zahlen eines Deals, den ich nicht kenne, sage ich nichts, das steht mir auch nicht zu. Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Der Unterschied liegt selten im Einstieg. Er liegt in dem, was danach kommt. Ein Club ist ein Tagesgeschäft. Er lebt von Entscheidungen über Trainingsplätze, Verträge, Verletzungen, Sponsoren und Fahrtwege, an sechs Tagen die Woche. Für mich war deshalb früh klar, dass ich das nur machen will, wenn ich selbst vor Ort bin und wenn die Struktur von den Mitgliedern, dem Präsidenten, den Fans und der Stadt mitgetragen wird. Das ist mein Weg, kein Urteil über andere. Ich wünsche den Kollegen ausdrücklich viel Erfolg.

Sie haben Anfang 2026 den Viertligisten SU Sintrense übernommen. Wie läuft es?

Besser, als die Tabelle auf den ersten Blick vermuten lässt. Man muss die Ausgangslage kennen: Als wir übernommen haben, stand der Club nach 14 Spielen auf Platz 12 von 14 mit 14 Punkten. Das war Abstiegskampf, nicht Aufstiegsrennen. In den folgenden 12 Spielen haben wir 26 Punkte geholt und wären in dieser Teiltabelle Zweiter unserer Gruppe gewesen. Die Punkteausbeute pro Spiel hat sich mehr als verdoppelt, bei unverändertem Budget und mitten in der Saison.

Neben dem Platz ist in zwölf Monaten noch mehr passiert.

Wir haben einen Hauptsponsor gewonnen, ein eigenes Gym gebaut, ein neues Trikot entworfen und ein komplettes Brand Book aufgesetzt. Wir übertragen unsere Spiele professionell auf YouTube, was in dieser Liga niemand macht und was für unsere Spieler den Unterschied zwischen Anonymität und Sichtbarkeit bedeutet. Und, das ist mir persönlich das Wichtigste: Die Menschen kommen wieder ins Stadion. Die Stadt nimmt den Club wieder ernst.

Was macht Portugal für Investoren so spannend?

Portugal ist einer der stärksten Ausbildungs- und Exportmärkte der Welt. Die zehn erfolgreichsten Clubs außerhalb von Benfica, Porto und Sporting haben in zehn Jahren zusammen über 700 Millionen Euro positive Transferbilanz erwirtschaftet. Das ist kein Geheimtipp, das ist das Geschäftsmodell des Landes.

Reicht es Estrela Amadora, wenn Müller & Co. nur Geldgeber sind?

Eine Einschränkung gehört dazu, sonst wäre es unehrlich. Der Markt ist offen für Kapital, aber er belohnt kein passives Geld. Es gibt genug Beispiele von Clubs, in die investiert wurde und die heute schlechter dastehen als vorher. Wer bereit ist zu arbeiten, findet einen der besten Märkte Europas. Wer nur überweisen will, wird enttäuscht.

Welche Learnings konnten Sie aus Ihrer Leipzig-Zeit zu Sintrense mitnehmen?

Die Leipziger Jahre waren die beste Ausbildung, die ich mir hätte wünschen können. An die Denkweise nehme ich jeden Tag mit. Erstens Rollenklarheit: Wer entscheidet was, und wer steht dafür gerade, wenn es schiefgeht. Clubs scheitern häufiger an unklaren Zuständigkeiten als an schlechten Spielern. Zweitens Kaderarchitektur: Alter, Vertragslaufzeit und Entwicklungsperspektive gehören in die Überlegung, bevor unterschrieben wird, nicht zwei Jahre später. Drittens der Umgang mit Daten. Wir nutzen sie, um unsere eigenen Annahmen infrage zu stellen, nicht um sie zu bestätigen. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

INTERVIEW: PHILIPP KESSLER

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