Den Zirkus, der da am Wochenende im sozialen Netzwerk „X“ (ehemals Twitter) zum Nulltarif aufgeführt wurde, konnten sich die Verantwortlichen des FC Bayern tiefenentspannt ansehen. Titel der Show: „Wer hat Recht?“ Haupt-Artisten: die sogenannten Transfer-Experten Fabrizio Romano und Florian Plettenberg. Im Kampf um Aufmerksamkeit, Klick-Zahlen und „Done Deal“-Nachrichten rücken in der Fußball-Welt der Neuzeit durchaus diejenigen in den Fokus, die eigentlich neutral berichten sollten. Und so wurde der anstehende 100-Millionen-Wechsel von Yan Diomande zur Schmierenkomödie über Wahrheit, Unwahrheit und vor allem: viel Eitelkeit.
Dass er irgendwann über die Bühne gehen wird, ist genauso klar wie die Tatsache, dass die Bayern dabei keine Rolle spielen werden. Zum einen, weil der Senkrechtstarter der vergangenen Bundesliga-Saison aus Leipzig nach Madrid will, zum anderen, weil die Verantwortlichen um Sportvorstand Max Eberl ihre Hausaufgaben in der noch bis Ende August laufenden Transferperiode ungewohnt frühzeitig erledigt haben. Mehr als 100 Millionen Euro für Ismael Saibari und Nathaniel Brown sind zwar eine Menge Geld, aber es ist gut investiert: Während der Großteil der Clubs noch nach Verstärkung sucht, hatte Vincent Kompany schon zum Start der WM Planungssicherheit. Außerdem bringt das neue Duo dem Bayern-Kader zwei Komponenten, die in der vergangenen Double-Saison gefehlt haben: einen Außenverteidiger mehr – und einen Star, der Druck auf die erste Elf macht.
Ein Titel war es in der ersten Kompany-Saison, zwei in der zweiten – wer rechnen kann, weiß, was 2026/27 erwartet wird. Ein Triple ist nicht planbar, aber es gibt durchaus Faktoren, die den Verlauf einer Saison früh in die richtigen Bahnen lenken können. 2025 hat die Club-WM einen Mannschaftsgeist geweckt, den man bei den Männern im roten Trikot lange nicht gesehen hat. Heuer wird es vor allem darauf ankommen, die vielen WM-Tränen zu trocknen. Dass erstmals seit 1982 kein Bayer im Finale stand, ist bitter – heißt aber auch: Der Hunger nach Titeln ist größer denn je. In diesem Sinne: Manege frei!