Hiergeblieben: Münchens Oliver Höcklin bremst seinen Gegner durch Abreißen der gelben Flagge aus. © Tonhäuser/IMAGO
München – Januar, minus 5 Grad. Während viele vor der eisigen Kälte in ihr warmes Zuhause fliehen, haben sich trotz des Wetters circa 50 Leute im Sportpark Messestadt Riem versammelt. Alle eint eine Leidenschaft: Flag Football.
Diese Geschichte erzählt Severin Berger (30), Vorstandsmitglied der Munich Spatzen, um die hiesige Begeisterung für seinen Sport begreifbar zu machen. 2018 als erster reiner Flag-Football-Verein Deutschlands gegründet, zählt er mittlerweile fast 200 Mitglieder. Tendenz steigend. „Der Sport wächst vor allem bei den Frauen extrem“, sagt Berger. Doch was ist Flag Football überhaupt?
Es ist eine Variante des populären American Football mit kleinerem Spielfeld und nur fünf Spielern pro Team. Bei den Regeln gibt es viele Überschneidungen, allerdings auch einen entscheidenden Unterschied: Körperkontakt ist nicht erlaubt. Um einen Spielzug zu stoppen, muss die verteidigende Mannschaft versuchen, die am Gürtel des Ballträgers angebrachten Flaggen abzureißen.
In Deutschland gehören die Munich Spatzen zu den Spitzenteams. 2024 feierte die Männerauswahl, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, den Meistertitel in der Bundesliga. Auch dieses Jahr mischt man wieder unter den Besten mit. Die Herren holten bei den Finals in Hannover den Titel, die Frauen verloren erst im Endspiel.
Dass Flag Football immer populärer wird, hängt nicht zuletzt mit einer nicht unbedingt erwarteten Entscheidung des IOC zusammen: Am 13. Oktober 2023 bestätigten die Verantwortlichen die erstmalige Aufnahme der Sportart ins Programm der Olympischen Sommerspiele. 2028 in Los Angeles kommt es zur Premiere. Seitdem herrscht Aufbruchstimmung – auch unter den Münchner Athleten.
Mit Zoe Song (26) sowie Moritz Apfel (28) spielen die Kapitäne der Nationalmannschaften bei den Munich Spatzen. Beide träumen davon, Team Deutschland beim größten Sportereignis der Welt zu repräsentieren. Zunächst muss aber die Qualifikation glücken. Im Rahmen der diesjährigen Heim-WM in Düsseldorf (13.–16. August) gibt es die erste Möglichkeit, das Ticket für Olympia zu lösen. „Wir gehen mit der Mentalität in das Turnier rein“, so Apfel, „dass wir es holen.“
Doch unabhängig von einer deutschen Olympia-Teilnahme glaubt man in München an die Zukunft der Sportart. „Flag Football wird seinen Platz als Breitensport festigen“, betont Vorstandsmitglied Berger mit Blick auf die nächsten zehn Jahre.VALENTIN PALLEIT