Große Bühne, kleines Geld

von Redaktion

Frauen-Tour koppelt sich von den Männern ab – es gibt auch Kritik

Die Chefin: Tour-Direktorin Marion Rousse. © Camus/dpa

Lausanne – Der Grand Départ in der Schweiz, die Königsetappe am legendären Mont Ventoux, und ein packendes Finale an der Cote d’Azur: Die Tour de France Femmes (1. bis 9. August) bietet sportliche Höhepunkte im Überfluss. Wirklich speziell ist 2026 aber der Zeitpunkt: In ihrer fünften Ausgabe erhält die Tour der Frauen erstmals ihre eigene Bühne.

Bislang waren die Frauen stets parallel zum Schlusswochenende der Männer gestartet. Diese Überschneidung, erklärte Tour-Direktorin Marion Rousse, sei nötig gewesen, um sicherzustellen, dass „die Leute uns weiterhin folgen“. Mittlerweile aber ist das Rennen so stark gewachsen, dass die Fans die Tour der Frauen als „eigenständiges Event“ wahrnehmen, sagte Rousse der Marca.

Zuvor hatte der Weltverband UCI mehrere Reformen angeschoben. In den vergangenen Jahren wurde eine zweite Profi-Liga eingeführt, der Rennkalender aufgestockt, ein Mindestgehalt gibt es längst. Das verbesserte den Sport, ist aber auch teuer, wie sich schmerzhaft herausstellte.

„Der Frauenradsport hat sich in den letzten vier Jahren zu schnell entwickelt“, sagt Claude Sun. Der Franzose war Geschäftsführer des deutschen Teams Ceratizit Pro Cycling, das im September 2025 aus finanziellen Gründen aufgelöst wurde. „Ich glaube, die UCI wollte für Frauen das gleiche Niveau wie für Männer erreichen: Teams, Kultur, Budget. Aber sie haben eines vergessen: die Sponsoren“, sagte er dem Portal Cyclingnews.

Mehrere Teams verschwanden aus wirtschaftlichen Gründen. Der Betrieb eines World-Tour-Teams koste laut Sun inzwischen rund fünf Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie noch 2022. Die Folge: Auf 15 verfügbare Plätze bewarben sich nur 14 Teams. Daran ändert auch die wachsende Popularität nichts – in 190 Ländern wird die Tour übertragen.

Immerhin: Es wartet ein spannender Wettbewerb. Von der Schweiz bis Nizza warten 1175 Kilometer und fast 19.000 Höhenmeter auf das Peloton. Nach dem Grand Départ in Lausanne steht in Frankreich unter anderem der legendäre Mont Ventoux auf dem Programm. 15,7 km mit 8,8 Prozent Steigung erwarten die Fahrerinnen am „Riesen der Provence“. An der Cote d’Azur endet die Rundfahrt spektakulär: Vier Mal geht es über den Col d’Eze. Größte deutsche Hoffnungen sind Paris-Roubaix-Gewinnerin Franziska Koch und die Giro-Zweite Antonia Niedermaier.

Die Siegerin der Gesamtwertung erhält 50.000 Euro. Damit zählt die Tour de France Femmes zwar längst zu den bestdotierten Rennen im Frauenradsport, der Unterschied zur Männer-Tour bleibt groß: Dort kassiert der Gesamtsieger 500.000 Euro – also das Zehnfache.SID

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