ZUM TAGE

Italiens Fußball in der Nostalgiefalle

von Redaktion

Chaos beim viermaligen Weltmeister

Jetzt also Roberto Mancini. Der Europameister-Trainer von 2021 soll Italiens Fußball aus seiner tiefsten Krise führen. Nach drei verpassten WM-Turnieren in Folge setzt die Squadra Azzurra erneut auf einen großen Namen der Vergangenheit. Dabei war der Weg dorthin alles andere als geradlinig. Andrea Pirlo galt als Hoffnungsträger des Neuanfangs. Und wer verkörpert die Seele des italienischen Fußballs mehr als Pirlo? Eleganz und Erfolg, Genie und Gelassenheit. Künstler am Ball. Winzer in der Toskana. Wenn da nur nicht Russland gewesen wäre.

Seine Werbeauftritte für den Wettanbieter Fonbet in Moskau – gemeinsam mit Marco Materazzi – wurden zum Politikum. Pirlo zog sich zurück, bevor ihn andere zurückziehen konnten. Italien stand wieder am Anfang. Doch ist Pirlo nur das jüngste Kapitel einer langen Geschichte. Gennaro Gattuso und Gianluigi Buffon, ebenfalls Helden von Berlin 2006, scheiterten daran, die Azzurri zur WM 2026 zu führen. Pep Guardiola sagte ab. Paolo Maldini legte sein Amt als Technischer Direktor nach nur 16 Tagen nieder.

Natürlich drängen sich große Namen auf, wenn ein viermaliger Weltmeister zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst. Doch Namen allein gewinnen keine Spiele. Die Generation von 2006 war außergewöhnlich, jeder Spieler ein Held in kurzen Hosen. Überragende Fußballer. Das aber macht sie noch lange nicht zu den Architekten eines Neuaufbaus.

Die Ursachen der Krise liegen ohnehin tiefer. Die Serie A produziert schon länger kaum noch Weltklasse. Italienische Talente spielen zu selten, viele Vereine setzen lieber auf Legionäre. Dazu kommt ein Erwartungsdruck, der mit jedem verpassten Turnier wächst. Wer den Job übernimmt, soll nicht einfach Nationaltrainer sein – sondern Erlöser.

Nun heißt dieser Erlöser wieder Mancini. Auch Claudio Ranieri kehrt als Technischer Direktor zurück. Erneut setzt Italien auf bewährte Namen. Erneut auf die Hoffnung, dass die Vergangenheit die Zukunft richtet. Vielleicht liegt genau darin das größte Problem. Der italienische Fußball braucht nicht den nächsten Helden von gestern. Sondern endlich eine Idee für morgen.

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