Der Königstransfer: Dominik Kahun kehrte zurück. © RBM
Der Chef: Seit 2004 ist Winkler beim EHC der Boss. © IMAGO
München – Rund zwei Wochen noch, dann beginnt sie, die Vorbereitung des EHC Red Bull München. Der Kader ist fürs Erste komplett. Bereit für den nächsten Angriff auf die Spitze, wie Sportchef Christian Winkler meint.
Herr Winkler, der Kader für die neue DEL-Saison ist komplett. Ist der EHC Red Bull München stärker als vor einem Jahr?
Davon bin ich überzeugt. Wir haben genau die Spielertypen bekommen, die wir wollten. Der Sommer war intensiv, aber wir haben uns für jede Personalie die nötige Zeit genommen und nichts überstürzt. Jetzt herrscht einfach riesige Vorfreude auf das, was kommt.
War die Rückholaktion von Dominik Kahun der Schlüsseltransfer?
Sicher einer der wichtigsten. Über die sportliche Qualität von Dominik brauchen wir nicht zu reden, er macht uns im Sturm sofort besser. Und es ist ein Transfer, mit dem wir nicht unbedingt gerechnet hatten. Aber es war auch einer der schwierigsten Transfers, an denen ich je beteiligt war.
Was hat ihn so kompliziert gemacht?
Er hatte noch ein Jahr Vertrag in Lausanne und es war jetzt nicht so, dass man ihn dort loswerden wollte. Die waren mit ihm sehr zufrieden. Das waren sehr intensive Gespräche. Am Ende musste Dominik auf einiges verzichten und auch wir mussten Lösungen finden. Aber das Gute war, dass beide Seiten den Wechsel unbedingt wollten. Das macht es einfacher.
Sie hatten nach dem Aus im Halbfinale angekündigt, der Kader müsse in der Spitze breiter werden. Ist das gelungen?
Absolut. Unsere Analyse hat gezeigt, dass wir nah dran waren, in vier von fünf Spielen waren wir absolut konkurrenzfähig. Letztlich haben uns aber Effektivität, Variabilität und ein besseres Powerplay gefehlt. Jetzt haben wir mit Dominik einen sehr starken Stürmer, Elis Hede bringt Tempo und Torgefahr, Trevor Carrick Härte und Lukas Klok Flexibilität nicht zuletzt auch durch den deutschen Pass.
Nicht zu vergessen Lucas Thaler, den sie als ersten Neuen präsentierten. Der Name hat viele überrascht.
Der Vorteil ist, dass wir ihn schon lange kennen. Er ist ein furchtloser Spieler, der jeden Check konsequent zu Ende fährt, läuferisch stark ist und einen hervorragenden Direktschuss hat. Genau diese Eigenschaften wollten wir haben.
Welcher ist das?
Mathias Niederberger. Er hatte eine extrem schwierige Saison, konnte sich jetzt aber erstmals vollständig auskurieren und arbeitet im Sommer hervorragend. Er ist körperlich auf einem Topniveau. Ich bin überzeugt, dass wir einen stärkeren Mathias Niederberger sehen werden als je zuvor.
Er hatte sich mehrfach, sehr ähnliche Verletzungen zugezogen. Was macht sie zuversichtlich?
Wir haben seine Situation sehr genau analysiert. In den vergangenen Jahren hatte Mathias praktisch keine Regenerationszeit. Nach den Playoffs folgte regelmäßig die Nationalmannschaft. Er wollte immer möglichst schnell zurückkommen und hat unglaublich hart gearbeitet. Jetzt hatte er endlich die Zeit, seinen Körper vollständig zu regenerieren.
Viel Bewegung gab es auch bei den U23-Spielern. Simon Wolf, Klausi Heigl oder auch Phillip Sinn sind weg, Moritz Warnecke oder Max Bolle kommen an Bord. Viel Gewicht für die Akademie …
Mit Sinns Schritt in die NHL hatten wir nicht unbedingt gerechnet, aber das freut uns natürlich sehr. Ja, die Red Bull Eishockey Akademie ist das Fundament unserer Organisation, dort wird hervorragende Arbeit geleistet. Aber niemand bekommt den Sprung zu den Profis geschenkt. Ich vergleiche das gerne mit dem Skifahren: Wer aus der Red Bull Eishockey Akademie hochkommt, steht zunächst einmal nur am Start. Wie die Abfahrt verläuft, entscheidet jeder Spieler selbst.
Sie sind vom Modell mit einem festen Partnerverein abgerückt. Warum?
Weil Entwicklung am Ende nur über echte Spielpraxis funktioniert. Wir suchen für jeden jungen Spieler individuell genau den Standort, an dem er die meiste Eiszeit bekommt. Unsere Jungs müssen Verantwortung übernehmen, um sich schnellstmöglich für München zu empfehlen.
Die große Schlüsselpersonalie dahinter ist der Trainer. Wie viel Oliver David ist nach einem Jahr schon im EHC angekommen?
Einiges. Wir kannten seine Arbeit ja aus Salzburg und wussten, wen wir bekommen. Aber ich habe den Eindruck, dass er sich im vergangenen Jahr noch weiterentwickelt hat. Er ist ein moderner Trainer, ein Menschenfänger. Und er arbeitet mit enormem Perfektionismus. Er überlässt einfach absolut nichts dem Zufall. Jetzt muss er diese Entwicklung nur noch krönen.
Trauen Sie ihm zu, eine Ära beim EHC zu prägen?
Das wünschen wir uns. Grundsätzlich wollen wir langfristig mit unseren Trainern zusammenarbeiten. Niemand kann die Zukunft vorhersagen, aber ich traue Oliver absolut zu, über viele Jahre seinen eigenen Fußabdruck beim EHC Red Bull München zu hinterlassen. Er ist ein hervorragender Trainer – und ein noch besserer Mensch. Wir werden noch ganz viele schöne Momente mit ihm und Neville Rautert erleben.
INTERVIEW: PATRICK REICHELT