Natürlich: Alles ganz harmlos. Nur das Beste für den Fußball, damit er sich weiterentwickelt und die Welt noch mehr vereint. Die Investoren? Ach, gute Menschen! Geben Geld, aber werden keinen Einfluss haben.
So verteidigt die Fifa den Deal, den ihr Präsident Gianni Infantino eingefädelt hat. Klar aber ist: Wenn die Medienrechte am großen Fußball in einer eigenen Gesellschaft ausgelagert werden, dann bedeutet das, dass Infantino ihr über seine begrenzte Fifa-Auszeit hinaus vorstehen wird. Absehbar ist auch, dass ein erneuter Versuch gestartet wird, den Takt der WM zu erhöhen: alle zwei statt vier Jahre (und dazwischen die Club-WM). Und noch größere Teilnehmerfelder. Es würde sich vieles auf unheilvolle Weise verschieben. Gäbe es dann noch eine EM, eine Coppa, einen Afrika-Cup? Behielten kontinentale Vereinswettbewerbe ihre Wucht? Bislang hat der Fußball das Gleichgewicht verschiedener Interessen noch halten können – unter Totalregentschaft der Fifa verlöre er es. Man kann nicht für das Modell sein, das Infantino in seinem urpersönlichen Interesse anstrebt.
Die Frage ist, wie Widerstand aussehen soll. Als die Deutsche Fußball Liga Investoren beteiligen wollte, machte die Kundschaft auf den Rängen mobil. Die kreative Intervention mit Tennisbällen war ein Erfolg. Verhindert wurde dank der Wut aus dem Volk auch die europäische Superliga; Clubs, die zunächst mitmachen wollten, distanzierten sich, als sie bemerkten, dass sie ihre Kundschaft verprellen. Doch das sind keine Protestmodelle für die Weltfußballbühne: Dort hat die obere Mittelschicht übernommen, die Eventies; sie werden annehmen, was man ihnen vorsetzt.
Erheben muss sich die UEFA. Sie ist nicht der klassische Gute, aber der weniger Schlechte. Der Maßvollere. Sie hat den stärksten Hebel: ihr sportliches Gewicht. Sie bestückt mit den Spielern aus ihren Clubs nicht nur die 16 bei der WM vertretenen europäischen Nationalteams. Sie stellt die Attraktionen, ohne die der Wert eines WM-Turniers drastisch sinken würde. Europa muss Infantino einbremsen – notfalls mit der ultimativen Konfrontation: 2030 EM in Spanien und Portugal als Konkurrenz zur Rest-Fifa-WM in Marokko, Uruguay, Paraguay, Argentinien. Vielleicht genügt schon die glaubhafte Androhung, um den Ausverkauf des Fußballs zu verhindern.