Er hat schon Tatsachen geschaffen: Fifa-Präsident Gianni Infantino. © IMAGO
Zürich – Die Welt des Fußballs ist im Aufruhr. Erneut sind Pläne des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino publik geworden, die Vermarktungsrechte an Investoren zu verkaufen.
Was ist passiert?
Der Weltverband plant die Gründung einer Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE), die alle kommerziellen Aktivitäten bündeln soll. Die Uefa übte scharfe Kritik und warnte vor einem Verkauf der „Seele“ des Fußballs. Laut Infantino geht es dagegen um „die Demokratisierung des Fußballs weltweit“.
Wie sieht das Vorhaben aus?
Die Fifa will „das volle wirtschaftliche Potenzial der Übertragungsrechte und Sponsoringverträge über das gesamte Turnierportfolio im Männer-, Frauen- und Jugendfußball“ ausschöpfen. „Sorgfältig“ ausgewählte Investoren sollten „Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte an der FFE“ erwerben. Basierend auf einer Unternehmensbewertung von 20 Milliarden US-Dollar werde die FFE dieses Jahr bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar aufbringen. Bis zu 20 Prozent der Anteile sollen verkauft werden.
Was steckt hinter dem Deal?
„Vorbehaltlich“ der Zustimmung durch eine (einfache) Mehrheit der Mitgliedsverbände (mit Frist 19. September) und des Councils, in dem auch DFB-Chef Bernd Neuendorf sitzt, soll laut Fifa die Investorengruppe von Thrive Capital angeführt werden, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner. Sein Bruder Jared ist der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Infantinos Verbindungen zu Trump stehen schon länger im Fokus. Nächster Fifa-Kongress: März 2027 in Marokko.
Wer profitiert?
Zum einen ein Großteil der 211 Mitgliedsverbände. Weil sich die Ausschüttung an sie über das Fifa Fast Forward Programme (FFFP) mehr als verdoppeln könnte. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar. Dazu käme optional eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar. Viel Geld für manch kleinen Verband. Zum anderen profitiert Infantino. Das Geld dient dem FIFA-Chef als Machtinstrument. Er dürfte nächstes Jahr ohne Gegenkandidaten bis 2031 im Amt bestätigt werden. Laut Times hegt er dazu Ambitionen, den Vorsitz des neuen Unternehmens zu übernehmen.
Welche Gefahren bestehen?
Die Fifa betont, dass sie die „alleinige Kontrolle“ behalte. Kritiker befürchten jedoch, dass sich die Fifa durch den Einbezug privater Investoren erheblichem externen Druck aussetzt. Etwa mit Blick auf eine weitere Vergrößerung der WM und der Club-WM oder eine häufigere Austragung der Turniere als alle vier Jahre.
Was sagt Infantino?
Der Fifa-Boss sprach von einem „demokratischen Beratungsprozess“, der „keine Verpflichtung“ sei. Infantino betonte, es kämen bisher zu geringe Tranchen der gestiegenen Einnahmen an der Basis an. „Höhere Zahlungen an die Mitgliedsverbände bedeuten höhere Investitionen in bessere Fußballplätze, stärkere Nationalmannschaften und ebnen den Weg für Jungen und Mädchen überall auf der Welt“, sagte er.
Sind Investoren-Pläne neu?
Es ist bereits Infantinos zweiter Versuch. 2018 erzielte er eine grundsätzliche Einigung über 25 Milliarden US-Dollar für eine erweiterte Club-WM, fand aber auch aufgrund des Widerstands aus Europa nicht genügend Unterstützung.
Wie reagiert die Uefa?
Einen Gegenkandidaten zu Infantino, der sich über WM-Rekordeinnahmen von 15 Milliarden US-Dollar freuen darf, haben die Europäer nicht aufgebaut. Da in den Nationalteams aus Spanien, Frankreich oder England wichtige Zugpferde einer WM aus Europa kommen, besitzt die Uefa durchaus einen Hebel. Das Portal Bloomberg schrieb von einem Boykott von Fifa-Veranstaltungen, den der Kontinentalverband erwägt.SID