Das Endspiel hat begonnen

von Redaktion

Uefa beschließt einstimmig Boykott aller Fifa-Wettbewerbe

Man hat sich nichts mehr zu sagen: Uefa-Boss Aleksander Ceferin (l.) und Fifa-Präsident Gianni Infantino. Das Foto ist aus dem Jahr 2024. © Nick Potts/Imago

Nyon/München – Die Uefa hat in Nyon am Genfer See ihr Hauptquartier. Beste Lage, Blick aufs Wasser, von der Straße durch einen Park getrennt. Die Vertreter der Mitgliedsverbände kommen gerne hierher. Am Donnerstag fand das Zusammentreffen aber im virtuellen Raum statt. Zu groß war die Dringlichkeit, um ein Meeting vor Ort zu organisieren, es musste schnell gehen. Und zu klar war eigentlich auch schon das Meinungsbild, um noch lange Für und Wider zu diskutieren. Die Europäische Fußball-Union hat zu einer Stimme gefunden im Streit mit der Fifa um deren geplante Veräußerung von WM-Rechten an private Investoren. Es ist eine laute Stimme: Im Namen von 55 Verbänden sagt der wichtigste Kontinentalverband des Fußballs: Fifa-Veranstaltungen ohne uns, solange dieser Vorschlag des Weltverbands-Präsidenten Gianni Infantino auf dem Tisch liegt.

Auch der tschechische Verband, der am Donnerstagmorgen noch Sympathien für den zu erwartenden Fifa-Geldfluss geäußert hatte, schloss sich am Nachmittag der Mehrheit an. Mit diesem einstimmigen Votum ist klar: Das Endspiel um die Zukunft des Fußballs, wie wir ihn kannten, hat begonnen. Es ist zudem ein Endspiel, das sich konkret gegen die Person Infantino richtet. Der Schweizer, bis zu seiner Krönung bei der Fifa in der Uefa als Generalsekretär tätig gewesen, soll von der Spitze des Fußballs weichen.

„Die WM ist kein Investment-Produkt, sie ist eines der größten Vermächtnisse des Weltsports“, schreibt die Uefa in einer Stellungnahme. Ein sozusagen immaterielles Erbe, „aufgebaut über Generationen und alle Kontinente“. Im englischen Original steht da: „The World Cup is not for sale“ – „Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf“. Die Versuche Infantinos, im Geheimen einen Deal einzufädeln mit einer amerikanischen Investmentgruppe und bereits eine Firma (FFE) dafür gegründet zu haben, nennt die Uefa „unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen“. Gianni Infantino hatte den derzeit 211 Mitgliedsverbänden weltweit sogar eine Frist gesetzt: 19. September 2026. Wer zustimmt, wird reichlich entlohnt, es winken dann 40 Millionen Dollar. Auch für Kleinstverbände, die gar keine solchen Etats haben, die sie erfüllen müssten. Ein offenes Stimmenkaufsystem, denn Infantino will im März 2027 auf dem nächsten Kongress wiedergewählt werden. Und wahrscheinlich die Firma, die die WM vermarktet, übernehmen – es wäre Machtsicherung auf Lebenszeit. „Regierung durch Einschüchterung“ nennt die Uefa Infantinos Vorgehen.

Was die Uefa beschlossen hat: Sie wird an keinen Fifa-Wettbewerben teilnehmen. Der nächste große ist die WM der Frauen kommendes Jahr in Brasilien. Schon das ein mächtiger Hebel, denn Infantino gerät massiv unter Zeitdruck bei Sponsoren und Medienpartnern. Was die Uefa verlangt, um anzutreten: die komplette Rücknahme aller Investorenpläne und die Garantie, dass sie auch nicht später wieder vorgetragen werden.

Im Raum steht nun nichts weniger als die Spaltung der Fußball-Welt. Wobei auch die Fifa einige Karten hält. Sie regelt das weltweite Transferwesen, auf das auch und vor allem die europäischen Clubs angewiesen sind. Anpfiff zum Finale.GÜNTER KLEIN

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