Fecht-Gold – nur ein Ausreißer?

von Redaktion

Was der WM-Titel von Säbel-Spezialistin Larissa Eifler bewirken kann – Heidemann angetan

Weltmeisterin – doch ohne irgendeinen Sponsor: Larissa Eifler ist immer noch die klassische Randsportlerin.

Hongkong – Der kollektive Freudentaumel über Larissa Eiflers sensationellen WM-Triumph im Säbelfechten war kaum verklungen, da richtete Sportdirektor Tobias Kirch seinen Blick in die Zukunft. Das Ziel sei nun, „die Entwicklung Richtung Los Angeles weiter positiv zu gestalten“ – denn bei den Olympischen Spielen 2028 wird sich zeigen: Was ist das erste WM-Einzelgold für Deutschland im Fechten seit 16 Jahren wirklich wert?

An einen „Aufwind“ durch Eiflers „grandiosen Erfolg“ glaubt Britta Heidemann, Weltmeisterin von 2007, Olympiasiegerin 2008 und die prägende deutsche Fechterin ihrer Zeit, ganz fest. „Für eine neue Generation an Fechterinnen und Fechtern ist es motivierend, wieder so einen großen Erfolg sozusagen live miterleben zu können“, sagte Heidemann, die bei Eiflers Triumph in Hongkong vor Ort war.

Bis sich der erhoffte Schwung in konstant guten Ergebnissen ablesen lässt, kann es aber dauern. Denn so golden Eiflers Medaille auch glänzt: Von diesem einen Erfolg, merkte Kirch an, dürfe sich der einst so medaillenverwöhnte Deutsche Fechter-Bund (DFeB) nach Jahren der Tristesse „jetzt nicht blenden lassen“.

Die Goldmedaille blieb nämlich ein deutlicher Ausreißer nach oben: Über alle Waffengattungen hinweg gab es keinen weiteren Top-10-Platz. Keine Mannschaft schaffte es in ein Viertelfinale. Im Einzel kam Gala Hess Sancho mit dem Degen auf Platz elf, die ehemalige Florett-Europameisterin Leonie Ebert bei ihrem Comeback auf Platz 31, der ehemalige Säbel-Weltmeister Matyas Szabo auf Rang 32.

Kirch ordnet das Abschneiden ein: „Die Umstellungen, die wir vorgenommen haben, sind keine drei Jahre her.“ Der Weg zurück nach oben sei weit – gerade im Fechten, dem „Nischensport“, in dem auch Themen wie Finanzierung und Sichtbarkeit immer eine Rolle spielen.

Sportlich will der Verband in zwei Jahren in L.A. eine „breitere Aufstellung“ erreichen – bei den Spielen von Paris 2024 stellte der DFeB lediglich zwei Athleten, Medaillen waren meilenweit entfernt. Richtung Brisbane 2032 will man es schaffen, „wirklich wieder Erfolge zu erzielen“. Zugleich solle dies aber nicht heißen, Überraschungen „wie die von Larissa sind verboten – aber von der Planung und der Ausrichtung her ist das die realistische Zielsetzung“, betonte Kirch.

Auch Sensationsweltmeisterin Eifler fokussierte sich noch im Freudentaumel über ihren Durchbruch auf das große Ganze, schließlich will die 27-Jährige durch ihren Sieg „etwas antreiben“. Sie hoffe, „dass ich die Sichtbarkeit, die mir gerade gegeben wird, nutzen kann, um ein Vorbild für junge Fechterinnen zu sein“.

„Alle“, forderte auch Kirch, „müssen bereit sein, diesen Weg mitzugehen, der kein einfacher ist – der viel Investition von allen Seiten, von Trainern, von Athleten und dem Umfeld verlangt.“

Und die neue Weltmeisterin? Die hofft, ihr Gold versilbern zu können. Bis zur WM kämpfte sie den Kampf einer Randsportlerin in Deutschland. „Ich bin jetzt Weltmeisterin geworden und habe keinen einzigen privaten Sponsor“, erzählte sie: „Ich glaube, das sagt schon viel aus.“ Auch das soll sich für erfolgreiche Fechterinnen und Fechter in Zukunft ändern.SID

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