Schneller Angriff aufs Gelbe Trikot

von Redaktion

Franziska Koch zwischen Helferpflicht und Ambitionen

Deutschlands Vorzeige-Radfahrerin: Franziska Koch ist bereit für die Tour de France. © IMAGO/Maximilian Koch

Lausanne – Der glühende Höllenschlund des Mont Ventoux? Lässt Franziska Koch kalt. „Ich bin den Berg mal mit 16 oder 17 hochgefahren. Aber ehrlich? Ich habe daran keine großen Erinnerungen“, sagt Deutschlands derzeit stärkste Radfahrerin. Und derartige Nonchalance ist keine schlechte Werkseinstellung, um bei einem knüppelharten Rennen wie der am Samstag in Lausanne beginnenden Tour de France zu bestehen.

„Ich versuche, gar nicht so sehr zu realisieren, wie viel Druck da im Vorfeld eigentlich ist, sondern den ganzen Prozess einfach nur zu genießen“, sagt die 26-Jährige vor der fünften Austragung der 2022 wiederbelebten Frauen-Tour.

Und der Druck auf Koch ist vor dem größten Frauenrennen der Welt, bei dem der Ventoux seine Premiere feiert, nicht zu knapp: Spätestens seit ihrem Sieg beim Kopfsteinklassiker Paris-Roubaix im April ist die Mettmannerin in Frankreich eine große Nummer.

„Das Wichtigste an diesem Erfolg war für mich zu erkennen, dass ich große Rennen gewinnen kann. Das hat mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben“, sagt Koch, die seit Jahresbeginn für eine französische Mannschaft (FDJ United-Suez) fährt.

Eine Fahrerin eines Profiteams aus dem Tour-Mutterland hat das Rennen noch nie gewonnen. Koch, soll helfen, dies zu ändern. Auch wenn es letztlich nicht um ihren eigenen Erfolg, sondern den der niederländischen FDJ-Topfahrerin Demi Vollering geht.

„Wir werden versuchen, schon am ersten Tag das Gelbe Trikot zu holen“, sagt Koch mit Blick auf die Auftaktetappe mit dem knackigen Schlussanstieg am Genfer See, die Vollering liegen dürfte. Die Europameisterin stand bei sämtlichen vier bisherigen Tour-Austragungen auf dem Podest, gewann 2023 für die SD-Workx-Mannschaft. Und nachdem 2025 in Pauline Ferrand-Prévot eine Französin aus einem niederländischen Team Tour-Siegerin wurde, soll es nun eine Niederländerin aus einem französischen Team sein.

Für Koch bleibt angesichts dieser Vorgabe bei ihrer vierten Tour-Teilnahme nur wenig Platz für eigene Ambitionen. Gesamt-28. war Koch 2025. Ob sie nun die familieninterne Bestmarke ihrer Mutter Petra Stegherr unterbietet, die 1985 für die deutsche Nationalmannschaft Zwölfte bei der Tour de France féminin wurde, ist nebensächlich. Doch ein Etappensieg, bitteschön, dürfte es dennoch gerne sein – und da hat Koch schon etwas im Auge.

Beim Einzelzeitfahren am Dienstag in Dijon „kann ich für mich selbst fahren, das könnte ein guter Tag werden“, sagt sie. Und als Etappensiegerin – der erst dritten deutschen nach Liane Lippert und Ricarda Bauernfeind 2023 – fiele die Schinderei am Ventoux drei Tage später deutlich leichter. Denn auch wenn sie „nur“ als Edelhelferin hinaufstrampelt, bedeutungslos ist der „kahle Riese der Provence“ für Koch keineswegs. „Diesen Berg in der Tour zu haben, zeigt, wie stark der Frauenradsport gewachsen ist.“SID

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