Beflügeln diese Trikots den Neustart?

von Redaktion

Kayabunar lobt Societas-Design – seine Löwen sind heiß auf das erste Spiel in Schweinfurt

Klassisches 1860-Design – nur der Löwe fehlt: Tunay Deniz, Dennis Dressel und Felix Weber (v.l.) im neuen Trikot von Ausrüster Societas. © Societas / 1860

München – Neustart. Dieses Wort wurde beim TSV 1860 schon häufig bemüht. Nach Abstiegen, Trainerwechseln oder verlorenen Spielzeiten. Doch noch nie musste sich der Traditionsverein so radikal neu erfinden wie in diesem Sommer. Zwangsabstieg. Insolvenz. Die Trennung von Hasan Ismaik. Und ausgerechnet der Löwe, das Wahrzeichen des Clubs, verschwand von Trikot und Wappen. Eigentlich die Zutaten für den endgültigen Absturz. Stattdessen erzählen die Sechzger plötzlich eine Geschichte, die selbst in Giesing kitschig wirken könnte: die eines Phönix aus der Asche.

Fast alles ist neu. Die Mannschaft besteht zur Hälfte aus Bayernliga-Meistern, zur anderen aus Profis, die bereits höherklassige Erfahrung mitbringen. Mit Dennis Dressel kehrte zuletzt sogar noch ein Spieler zurück, der erste, zweite und dritte Liga erlebt hat – und sich dennoch für den Neustart in der Regionalliga entschied. Die Dialog-Versicherung ziert künftig die Brust, Societas liefert das Trikot. Erst am Freitag, als die Mannschaft längst auf dem Weg nach Schweinfurt war, wurden sie offiziell präsentiert. „Richtig schön“, findet Trainer Alper Kayabunar das Design: „Ich hoffe, dass wir dann auch mit den Trikots sehr erfolgreich sein werden.“

FA wie Fußball-Abteilung steht über dem Neuanfang. Nicht neu ist die emotionale Wucht dieses Vereins. Nach dem „Schwarzen Mittwoch“ Anfang Juni folgten Tage der Fassungslosigkeit und Resignation. Doch spätestens mit Einsetzen der Transferflut drehte sich die Stimmung. Aus vorsichtiger Hoffnung wurde Aufbruch, aus Aufbruch Euphorie. Ihren eindrucksvollsten Ausdruck fand sie am Mittwoch: Mehr als 1000 Fans zogen vom Wettersteinplatz zum Trainingsgelände und verwandelten die Nachmittagseinheit in eine Demonstration weiß-blauer Leidenschaft. „Hurra, hurra, die Löwen, die sind da“, schallte es durch Giesing. Präsident Gernot Mang bekannte: „Ich hatte Tränen in den Augen.“ Emotional fügte der 57-Jährige hinzu: „Der Löwe lebt von seinen Fans. Er fährt seine Krallen aus und zeigt wieder Zähne.“

Diese Energie soll die Mannschaft nun mit nach Schweinfurt nehmen. Auch Kayabunar zeigte sich vom Fanmarsch tief beeindruckt. „Es war unglaublich. Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte der 40-Jährige. Die Mannschaft habe anschließend darüber gesprochen, „wie stolz wir darauf sein können, solche Fans zu haben“. Gleichzeitig bemüht sich der Kauczinski-Nachfolger um Nüchternheit. Obwohl 15 seiner Trainerkollegen 1860 als Aufstiegsfavoriten sehen, weist Kayabunar diese Rolle zurück. „Als Favorit sehe ich uns nicht. Wir wissen nicht genau, wo wir stehen.“ Der 1:5-Fehlstart von Schweinfurt im Unterfranken-Derby in Aubstadt ändere daran nichts.

Bis zu 4000 Fans wollen die Löwen am Samstag ins Sachs-Stadion begleiten. Es wäre die größte weiß-blaue Invasion in Unterfranken seit Jahren. Das letzte Regionalliga-Abenteuer begann 2017 ebenfalls mit einem Auswärtsspiel – damals gewann 1860 mit 4:1 in Memmingen und legte den Grundstein für eine Saison, die im emotionalen Relegationsjubel endete.

Neun Jahre später schreiben die Löwen wieder das erste Kapitel einer Regionalliga-Saison. Die Ausgangslage ist anders, die Sehnsucht der Fans gleich. Neustarts hat der TSV 1860 in seiner 166-jährigen Geschichte viele erlebt – einen wie diesen allerdings noch nie.ULI KELLNER

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