Fußball verbindet – aber nur bis zu einem gewissen Punkt: Infantino, Čeferin (r.). © dpa
Ljubljana – Sein Meisterstück als Uefa-Präsident lieferte Aleksander Čeferin kurz vor dem Ende seiner Amtszeit ab – und vermutlich hätte er gerne darauf verzichtet. Innerhalb von nur 48 Stunden schmiedete der Slowene den geschlossenen Widerstand Europas gegen Gianni Infantinos milliardenschweren Investorenplan.
Die Uefa torpedierte das Vorhaben in drei Schritten: erst scharfe Kritik, dann öffentlicher Spott über das Ultimatum der Fifa – schließlich der offene Bruch. Am Donnerstag versammelte Čeferin alle 55 Mitgliedsverbände hinter sich und drohte der Fifa mit dem Boykott sämtlicher Wettbewerbe, solange der Plan nicht vollständig zurückgezogen werde.
Das Signal ist historisch. Erstmals seit Jahren steht Infantino einer geschlossenen Front Europas gegenüber. Bereits 2018 stoppte Čeferin ähnliche Fifa-Pläne, drei Jahre später brachte er die von Europas Topclubs initiierte Super League binnen weniger Tage zu Fall. Wieder präsentiert sich der Jurist als Strippenzieher hinter einer geschlossenen Allianz.
Dass sich innerhalb kürzester Zeit alle 55 Uefa-Mitgliedsverbände hinter dieser harten Linie versammelten, dürfte Čeferins eigentliche Leistung sein. Der Slowene musste nicht nur Deutschland, Spanien oder England auf einen gemeinsamen Kurs bringen, sondern auch Verbände, die der Fifa zuletzt deutlich wohlgesonnener gegenüberstanden. Am Ende gab es dennoch keinen offenen Widerspruch. Genau diese Geschlossenheit macht die Boykottdrohung so brisant – denn erstmals seit Jahren steht Infantino einer geeinten europäischen Front gegenüber.
Der 58 Jahre alte Slowene, der die Uefa seit 2016 führt und im kommenden Jahr nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren will, gilt längst als Gegenentwurf zu Infantino. Während der FIFA-Präsident immer stärker polarisiert und den Weltverband zunehmend im Alleingang zu führen scheint, setzt Čeferin auf Rückhalt in den nationalen Verbänden und diplomatische Bündnisse. Das verschafft ihm in der aktuellen Krise einen entscheidenden Vorteil.
Die Forderung der Uefa ist eindeutig: Die Fifa soll verbindlich zusichern, ihre Wettbewerbe niemals für private Eigentümer zu öffnen. Damit hat Čeferin die Tür für Infantinos Projekt praktisch zugeschlagen. Sollte der Fifa-Präsident daran festhalten, droht dem Weltfußball ein beispielloser Machtkampf.SID