ZUM TAGE

Infantino muss seinen Thron räumen

von Redaktion

Fifa-Eskalation

Ein unbeschriebenes Blatt ist der affärenumtoste Gianni Infantino keineswegs. Er war etwa Mitinitiator der kruden Super-League-Idee (die zum Glück scheiterte) und biederte sich so manchem Staatschef an. Den Emir von Katar ließ er beim WM-Finale 2022 Triumphator Lionel Messi einen „Bischt“ (Umhang) umhängen, bereits zwei Jahre zuvor hatte er seinen Lebensmittelpunkt nach Doha verlegt (und von dort weiter nach Florida). US-Präsident Donald Trump überreichte der Schweizer gar einen Fifa-Friedenspreis. Viele schüttelten den Kopf. Doch durch sein Netzwerk und die florierenden Geldflüsse schien seine Wiederwahl 2027 dennoch als sicher.

Doch jetzt ist der 56-Jährige – vermutlich im Größenwahn eines vermeintlich Unantastbaren – wohl den berühmten Schritt zu weit gegangen. Nach den Boykottbekundungen von Uefa (Europa), Concacaf (Amerika) und Afc (Asien) wird der Noch-Fifa-Präsident keine Mehrheit für seine Verkaufsabsichten bekommen. Die Art und Weise seines Scheiterns ist – Stand heute – auch eine neue Amtszeit auf dem höchsten Fußball-Thron nicht vorstellbar. Ob am Ende PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi oder Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, der die Revolte so meisterhaft steuerte und inszenierte, gegen ihn antritt, ist dabei vorerst völlig egal. Beachtenswert war und ist, wie schnell sich die Mehrheit der Fußball-Welt ihrem Alleinherrscher geschlossen entgegengestellt hat. Noch bei der WM 2022 beispielsweise brach eine europäische Phalanx gegen das Verbot der One-Love-Binde schneller ein, als Flick, Bierhoff, Neuendorf & Co. schauen konnten.

Auch für den DFB wäre eine Abwahl von Infantino von großem Vorteil, schließlich will man 2038 oder 2042 wieder eine WM im eigenen Land austragen. Dafür braucht es (auch) die Unterstützung von ganz oben. Bei Infantino wäre das schwierig geworden. Die Beziehung hatte sich nach dem Binden-Zoff von Katar zwar zwischenzeitlich entspannt, aber schon zwei Wochen vor der Eskalation hatte der DFB ein deutliches Zeichen gesendet, indem er einem Infantino-Unterstützerschreiben seiner Unterschrift verwehrte.MATHIAS.MUELLER@OVB.NET

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