Wir haben als Kinder Federball gespielt. Die Bälle hatten tatsächlich noch Naturfedern. Im Sportunterricht schwitzte man beim Ausdauerlauf, und an der Teppichstange in Omas Garten wurden Klimmzüge geübt. Tempi passati! Sport (früher Leibeserziehung, aber das ist jetzt wirklich lange her) ist fancy geworden. Das soll sich auch in den Namen der Sportarten niederschlagen. Man duelliert sich beim Badminton. Gelaufen wird nicht mehr ausdauernd, sondern achtsam. Mindful Running nennt sich ein Trend, der klassisches Joggen mit Yoga-Elementen verbindet. Das Turnen an Stangen heißt jetzt Calisthenics. Und die gute alte Skigymnastik in der muffigen Grundschulturnhalle wird auf der Webseite des Sportvereins als Functional Training verkauft. Der Hang zur trendy Umbenennung scheint sich mittlerweile fast schon zu einer eigenen Sportart zu entwickeln, die interdisziplinär ihre Anhänger findet. Als ich neulich wegen der wachsenden Anzahl von Altersflecken eine Hautärztin konsultierte, lernte ich, dass die hellbraunen Verfärbungen auf dem Handrücken jetzt „Café-au-lait-Flecken“ genannt werden. Klingt auch schöner und mehr nach Verabredung zum Frühstück als nach schleichendem Verfall. Ähnliche Erkenntnis beim Friseur: Mein Ansatz wird nicht grau. Ich habe mich zum Best-Ager mit Silver Hair entwickelt. Zu Hause praktiziere ich als zweifache Mutter übrigens seit Jahren den Trendsport Plogging – das Aufsammeln von Gegenständen im beschleunigten Laufschritt.