100 Athleten – eine Strecke. In Essen fand am vergangenen Wochenende das 99 Laps statt. Nach jeder Runde à 1,2 Kilometer schied ein Läufer aus.
Niklas Gemander radelt bis ans Nordkap. © Instagram
Schwimmer Marinus Obermair an der Donau. © Instagram
Norman Junker: Lächelnd im Ziel. © Instagram
München – Drei Sportarten. Drei Herausforderungen. Drei Extremsportler – es ist sozusagen ein Triathlon der Extreme: 99 mal 1,2 km laufen, von Rosenheim bis zum Nordkap mit dem Fahrrad (und retour) sowie einmal quer durch Österreich schwimmen. Diese Leistungen haben sich drei junge deutsche Extremsportler vorgenommen, frei nach dem Motto: Normal? Kann ja jeder – wir gehen aufs Ganze!
Damit sind Norman Junker, Niklas Gemander und Marinus Obermair Teil einer weltweiten Extremsportszene. War früher ein Radtrip über Nacht zum Gardasee ein fast undenkbares Unterfangen, werden heute solche Distanzen als Gruppenfahrten für ambitionierte Hobbyradler veranstaltet. Wer über die Grenzen gehen, schwimmen, radeln will, macht mehr.
So wie Norman Junker, der am 25. Juli bei der Premiere des 99 Laps-Run in Essen dabei war. 100 Teilnehmer laufen eine 15-minütige Runde von 1,2 km. Wer als Letztes die Runde beendet, scheidet aus. Stetig verringert sich die Teilnehmeranzahl, bis am Ende nur noch zwei hinter der Startlinie stehen. Der 27-jährige Junker schaffte es, die 99. Runde als Schnellster zu absolvieren. Mit einer Durchschnittspace von 4:39 Minuten/km lief er über 24 Stunden lang insgesamt 118,8 km.
Ist so eine Quälerei überhaupt noch eine sportliche Gaudi? „Sehr sogar“, sagt Junker, „aber der Spaß ging erst in den letzten Runden los – als die Pace höher wurde und man sich in Sprint-Duellen batteln konnte.“ Das 99-Laps-Rennen war nicht seine erste Challenge: Im November letzten Jahres ist Junker von Deutschland aus in die Westsahara gelaufen. Aktuell bereitet er sich auf den Last Soul Ultra vor, bei dem etwa ca. 440 km am Stück gelaufen werden.
Niklas Gemander ist seit dem 12. Juni unterwegs. Jeden Tag legt er um die 120 km mit dem Fahrrad zurück – von Rosenheim bis zum Nordkap. Sieben Länder hat er auf dem Hinweg durchquert: Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Norwegen. Auch von Regen, Wind und einem Diebstahl lässt er sich nicht stoppen. „Ich freu mich sehr auf das, was kommt“, schreibt er auf Instagram.
Das Nordkap hat er erreicht und befindet sich schon auf dem Rückweg; klar, mit dem Radl. Insgesamt hat er gut 4.796 Kilometer und 32.508 Höhenmeter zurückgelegt – am Ende wird es fast die doppelte Distanz sein, schließlich will er ja nach Rosenheim zurück.
Halb Mensch, halb Fisch? Diese Frage stellt sich bei Marinus Obermair. Unter dem Motto „Make a move“ wollte er in 72 Stunden 350 Kilometer von Passau nach Bratislava einmal quer durch Österreich schwimmen. Diese Idee kam dem heute 32-Jährigen als kleines Kind. Sein Vater hatte ihm ein Papierboot gebastelt und es auf die Donau gesetzt – ab ging die Reise.
Komplizierter war die Schwimmexpedition: Nach monatelangem Training und Gewöhnung an die Dauerkälte im Wasser ging es für Obermair endlich los. Doch aufgrund des niedrigen Wasserstandes und der geringeren Strömung schaffte der Extremschwimmer nur 152 km in der geplanten Zeit. Dass er sein Ziel nicht schaffen würde, dämmerte dem Rosenheimer schon beim Start. Aber aufgeben kam nicht infrage: „Meine Art ist zu sagen: Ich mach’s trotzdem.“ Auch weil Obermaier mit seinem Rekordversuch Spenden für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sammeln wollte.ELISA SCHUMACHER