Siegesserie mit Makel

von Redaktion

Ravens marschieren Richtung Finale, doch wo bleiben die Fans?

Spitze: Die Munich Ravens mit Russell Tabor. © Lehner/IMAGO

München – Knapp drei Monate ist es her, dass die Munich Ravens auf einer Pressekonferenz ihre Pläne für die Saison 2026 bekanntgaben. „Wir wollen zeigen, dass wir eines der besten Footballteams sind, das Europa je gesehen hat“, so die Ankündigung von Quarterback Russell Tabor damals. Mittlerweile ist klar, dieses und nahezu alle weiteren sportlichen Ziele wurden erreicht. Auch neben dem Platz konnten viele Ideen umgesetzt werden. Luft nach oben gibt es trotzdem.

„In den letzten Monaten ist die gesamte Organisation enorm gereift. Wir haben alle acht Spiele gewonnen, unseren Social-Media-Auftritt verbessert und große Schritte in Sachen Sponsoring gemacht. Es gibt viel, auf das wir stolz sein können“, schwärmt Manager Sean Shelton. In der Tat: Auf dem Rasen sind die Ravens im dritten Jahr unter Cheftrainer Kendral Ellison eine Klasse für sich. Die perfekte Bilanz und ein Punkteverhältnis von 286:121 lassen keinen anderen Schluss zu. Einzig das Duell mit Nordic Storm aus Kopenhagen war wirklich eng. Es würde daher auch niemanden verwundern, wenn sich diese beiden Teams im großen Finale am 29. August in Innsbruck gegenüberstehen. Dennoch sagt Ellison: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen, und haben noch nicht unseren besten Football gezeigt.“ Ein Satz, der für die Konkurrenz wie eine Warnung klingen muss.

In all die sportliche Euphorie mischt sich allerdings auch ein wenig Frustration darüber, dass sich die starken Leistungen nicht in den Zuschauerzahlen niederschlagen. Im Schnitt kamen in dieser Spielzeit knapp 3600 Fans zu den Heimspielen und damit nur etwa 100 mehr als im letzten Jahr. Klammert man das erste Spiel aus, das im Stadion an der Grünwalder Straße und nicht wie gewöhnlich im Unterhachinger Sportpark gespielt wurde, ist der Schnitt sogar gesunken. „Das ist ein Bereich, in dem wir dieses Jahr nicht gewachsen sind. Natürlich sind wir dementsprechend enttäuscht. Als Sportler möchte man jede Arena füllen, in der man spielt. Das ist uns nicht gelungen, Punkt“, analysiert Manager Shelton bemerkenswert offen. Bemerkenswert deshalb, weil die Ravens gerade in ihrer Anfangszeit recht kühl und verschlossen wirkten. Das ehrliche Eingeständnis spricht genau für den angesprochenen Reifeprozess.

Bewährt hat sich dagegen die Tradition des „Hoamcoming-Games“. Zum letzten Heimspiel wird bei den Ravens auf bayerische Traditionen und Kleidung gesetzt, auch am Sonntag gegen Paris. „Super, dass wir uns wieder auf diese Weise von unseren Fans verabschieden können“, sagt Quarterback Tabor. Zwei Wochen später soll dann beim Halbfinale in Frankfurt der erste Playoff-Sieg in der Ravens-Geschichte gelingen.CLAAS SCHÖNFELD

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