Wäre die Fifa eine AG, hätte Gianni Infantino, ihr CEO, bereits gehen müssen. Denn im Wirtschaftsleben ist es nun mal so: Scheitert eine Strategie, scheitert auch der, der sie ausgeheckt hat. Erzielt wird dann umgehend das „beiderseitige Einvernehmen“ über die Trennung der Wege wegen „unterschiedlicher Auffassung über die zukünftige Ausrichtung“. Der Chef würde ab sofort freigestellt und noch einige Zeit sein Gehalt oder eine Abfindung kriegen. Und man wäre so feinfühlig, ihm den Abschluss durch die Paparazzi (Vorstandsvorsitzender trägt in einem Karton seine persönlichen Sachen aus dem Büro, flankiert vom Sicherheitsdienst) zu ersparen.
Die Fifa ist ein Sportverband, genauer sogar ein Verein, er bewegt sich in anderen rechtlichen Rahmenbedingungen. Daher gibt es auch die Meinung, Gianni Infantino könne sich im Amt halten mit einer Mischung aus gespielter Demut und geschicktem Netzwerken. Theoretisch könnte er wiedergewählt werden im kommenden Frühjahr– doch das wird nicht geschehen. Die vergangene Woche hat eine Dynamik entwickelt, die Infantino aus seinem Amt als Fifa-Präsident spülen wird. Es kann jeden Tag so weit sein.
Den entscheidenden Zug hat die Uefa unternommen. Sehr clever die fast beiläufige Erwähnung der Europäer in ihrer jüngsten Verlautbarung, dass die Fifa über Rücklagen von fünf Milliarden US-Dollar verfüge. Zwei Botschaften: Warum lässt der angeblich gönnerhafte Gianni euch nicht an das Geld? Und: Seht her, die Geschäfte laufen wegen des Fußballs an sich, nicht wegen der Person Infantino. Schlussfolgerung: Der wirtschaftliche Erfolg ist nicht an eine zwielichtige Person gebunden.
Es war ja nie so, dass Gianni Infantino mit seinem Charisma die Fifa-Vollversammlung in seinen Bann gezogen hätte. Er hat einfach nur das System ausgenutzt – und die Tatsache, dass die Abgeordneten der meisten Mitgliedsverbände mit dem Flow gingen; sie hoben die Hand, wenn andere das auch taten. Ändert sich der Flow wie jetzt gerade, ändert sich auch ihr Stimmverhalten.
Infantino war immer nur ein Bürokrat. Er wurde anmaßend. Er hat keine Klasse, er hat keine Verdienste. Er ist austauschbar.