Nirmal Purja auf dem Gipfel des Mount Everest – er stand 57-mal auf einem Achttausender. © Purja/dpa
Diese Lawine riss zehn Bergsteiger durch die Hauptrinne an der Westflanke des Berges in die Tiefe.
Skardu – Insgesamt 57-mal stand Nirmal Purja laut eigener Zählung auf einem Achttausender-Gipfel. Er schrieb Geschichte, als er 2019 in nur sieben Monaten alle 14 Achttausender der Welt bestieg, wobei er Flaschensauerstoff benutzte. Das Projekt wurde für den Streamingdienst Netflix unter dem Titel „14 Peaks: Nothing Is Impossible“ verfilmt – und Purja, der unter den Namen „Nimsdai“ und „Nims“ bekannt war, war allerspätestens ab diesem Zeitpunkt ein Volksheld in seiner Heimat und der wohl bekannteste aktive Bergsteiger.
Doch auch der 43-Jährige, der seine Alpinkarriere nach seiner Zeit als Soldat startete, war am Donnerstag (30. Juli) machtlos gegen die Schneemassen am Broad Peak im Karakorum-Gebirge. Purja war als Führer einer zehnköpfigen Expedition von einem Lawinenabgang erfasst worden. Laut „Elite Exped“ überlebte keiner der Teilnehmer das Unglück. Am Sonntag bestätigte der pakistanische Alpinismus-Verein, dass Bergungskräfte Purjas Leichnam sowie die Leichname dreier Mitstreiter in 5700 Meter Höhe erreicht hatten.
Die Nachricht über den Tod des Popstars der Szene löste Bestürzung aus. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, jemanden, den man liebt, in den Bergen zurückzulassen“, schrieb Berg-Legende Reinhold Messner bei Instagram: „Ein Schmerz so tief, dass er den Atem raubt.“ Prinz William erinnerte an den Soldaten Purja: „Nims diente mit Auszeichnung bei den britischen Streitkräften, bevor er zu einem der größten Bergsteiger der Welt wurde und nepalesische Alpinisten international bekannt machte.“
Der jüngste Versuch gehörte zu Purjas Vorhaben, als erster Mensch alle Achttausender zweimal ohne Sauerstoff zu besteigen. „Broad Peak, ich bitte um nichts weiter als einen sicheren Aufstieg und eine sichere Rückkehr“, schrieb Purja vor einigen Tagen im Onlinedienst X. Der 8051 Meter hohe Gipfel in Pakistan ist der zwölfthöchste Berg der Welt und liegt in der Nähe des K2. In der Umgebung befindet sich auch der Laila Peak, an dem die frühere Biathletin Laura Dahlmeier fast genau ein Jahr zuvor tödlich verunglückt war.
Die Bedingungen am Berg waren wohl lange gut, bis am 22. Juli starke Schneefälle einsetzten. Danach brachen viele Teams ihre Expeditionen ab.
Neben all dem Ruhm und der Verehrung sah sich Purja aber auch mit zwei schwerwiegenden sexuellen Vorwürfen konfrontiert. Die finnische Bergsteigerin Lotta Hintsa warf ihm vor, sie 2023 in einem Hotelzimmer gegen ihren Willen entkleidet und anschließend in ihrer Gegenwart masturbiert zu haben. Zur US-Ärztin April Leonardo sei er 2022 ins Zelt gekommen und gegen ihren Willen geküsst haben. Purja wies alles zurück.
Im Moment befindet sich Purjas Körper, so wie die übrigen Leichen der erfahrenen Expeditionsgruppe aus Nepal, Pakistan, China, den USA und dem Oman, noch am Berg. Die Bedingungen für die Bergung seien laut Niala Kiani, Sprecherin des Alpine Club Pakistan, „sehr schwierig“.
MMÜ