Stopp: Die Ravens siegen weiter. © Weinberger
Für die Liebsten gab es Rosen. © Roland Johannes
München – „Ich werd narrisch, ist das schön“, schallte es aus den Lautsprechern im Unterhachinger Sportpark. Stadionsprecher Quirin Friedel konnte nicht mehr an sich halten und ließ die 4123 Zuschauer unverblümt daran teilhaben. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Spiel der Munich Ravens gegen die Paris Musketeers noch nicht einmal begonnen. Tracht, Rosenübergabe, Böllerschützen und ein Sondertrikot im Stile der bayerischen Flagge – all das hatte, unabhängig vom 45:22-Sieg, das letzte Heimspiel der Ravens zu einem echten Bavarian-Football-Fest gemacht.
„Es ist immer toll, vor den eigenen Fans zu spielen, aber heute war es nochmal ganz besonders“, resümierte Cheftrainer Kendral Ellison nach dem sogenannten „Hoamcoming-Game“. Begonnen hatte der heiße Nachmittag mit dem Einlauf der Familien und Freunde der Protagonisten. Als Spieler und Trainer – untermalt von extrem lauten Böllerschüssen – den Platz betraten und direkt in die Arme ihrer Liebsten sprinteten, war die Wohlfühlatmosphäre noch vor dem Anpfiff maximiert worden.
Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die Ravens erstmals in dieser Saison zu Hause im ersten Viertel keinen Touchdown erzielen konnten. Der Gegner aus der Stadt der Liebe hatte im eigenen Kampf um die Playoffs so gar keine Lust, die so ausgelassene Stimmung zu unterstützen. „Uns hat es heute an Disziplin gefehlt. Wir haben zu viele leichte Fehler gemacht und Paris so im Spiel gehalten“, analysierte Ellison. Sobald sein zuletzt noch einmal verstärktes Starensemble allerdings seinen Rhythmus gefunden hatte, zeigte sich das vorher erwartete Bild. Die Münchner dominierten, angeführt von Quarterback Tabor und Passempfänger Geyer, die Partie. Paris bemühte sich, Schritt zu halten, war am Ende aber chancenlos.
So feierten die Ravens einen auf allen Ebenen gelungenen Abschluss der Heimspielsaison: „Das war ein einmaliges Erlebnis und für mich als Bayer eine große Ehre“, schwärmte auch Offensivspieler Michael Stadler. Nach all der Heiterkeit wird es nun richtig ernst. Zunächst wartet das Topduell mit Nordic Storm in Kopenhagen, bevor in zwei Wochen das Halbfinale ansteht. „Wir haben noch viel vor“, so Stadler.
Beim europäischen Halbfinal-Wochenende duellieren sich die besten vier Teams der regulären Saison in Frankfurt (die Spiele werden auch auf YouTube übertragen). Für die weiter unbesiegten Ravens zählt in dieser Saison nur der Titel. Dann steht das nächste Football-Fest an.C. SCHÖNFELD