Von null auf Chef

von Redaktion

Drei Trainings und schon Kapitän: Warum die Löwen auf Dressel als Anführer setzen

Ärmel hochkrempeln für den Neustart: Dennis Dressel gibt im Mittelfeld der Löwen den Ton an. © Kilian/Imago

Zurück bei 1860 – und direkt in der ersten Reihe: Dennis Dressel soll die neuen Löwen als Kapitän anführen. © Sampics

Schweinfurt/München – Der Weg zum Mannschaftsbus dauerte für Dennis Dressel deutlich länger als für seine Mitspieler. Hinter dem VIP-Bereich des Schweinfurter Sachs-Stadions warteten nach dem 2:2 alte Bekannte, Freunde und Fans. Hände wurden geschüttelt, Erinnerungen ausgetauscht, auch Allesfahrer Roman Wöll gehörte zu den ersten Gratulanten. Vier Jahre war Dressel weg. Angekommen wirkte er vom ersten Moment an. Beim Neustart der Löwen ist aus dem Heimkehrer binnen weniger Tage der neue Chef geworden.

Erst Anfang der Woche hatte der Mittelfeldspieler seinen Vertrag beim TSV 1860 unterschrieben. Drei Trainingseinheiten später führte das Eigengewächs die Mannschaft bereits als Kapitän aufs Feld. Eine steilere Hierarchie-Karriere dürfte selbst in Giesing Seltenheitswert haben. „Die Woche ging alles sehr schnell bei mir. Drei, vier Trainings gehabt, jetzt das erste Spiel“, sagte Dressel. „Es ist immer eine große Ehre, für so einen Verein Kapitän zu sein.“

Dass die Wahl auf ihn fiel, war kein Zufall. Trainer Alper Kayabunar und sein Team wollten der runderneuerten Mannschaft bewusst einen Anführer mit Löwen-DNA geben. „Wir haben uns im Trainerteam entschieden, dass Dennis dieser Aufgabe würdig ist“, erklärte der Coach. „Er hat eine lange Geschichte hier im Verein. Ich denke und hoffe auch, dass er lange hier bleiben wird. Dementsprechend haben wir uns für Dennis entschieden.“

Warum diese Entscheidung Sinn ergibt, war in Schweinfurt schnell zu erkennen. Dressel trug die Kapitänsbinde nicht nur am Arm. Über 90 Minuten dirigierte der Rückkehrer seine deutlich jüngeren Mitspieler, forderte immer wieder Ruhe ein, wenn die Partie hektisch wurde und die Löwen zu überhastet nach vorne spielten. Auch im Kabinengang war der 27-Jährige lautstark präsent. Nach nur einer Trainingswoche übernahm er Verantwortung, als wäre er nie weg gewesen.

Dressel fühlt sich ohnehin nicht wie ein Neuzugang. „Der Verein ist wie Heimat für mich. Ich kenne die Abläufe, die Fans und die ganze Umgebung. Es ist einfach wieder schön, hier zu sein.“ Nach vier Jahren in Rostock, Graz und Ulm wollte er dabei sein, wenn bei seinen Löwen Geschichte geschrieben wird. „Das war ein Grund, warum ich wieder hierhergekommen bin. Dieser Neustart ist etwas ganz Besonderes. Wir können hier etwas Historisches schaffen.“ Schon in den ersten Tagen spürte Dressel, wie sehr der Verein nach den turbulenten Monaten zusammengerückt ist.

„Diese Unterstützung von den Fans ist brutal. Das gibt es nicht oft im deutschen Fußball“, schwärmte der Kapitän. „Wie die Fans uns einschweißen, ist sensationell. Deswegen macht es einfach Spaß, bei diesem Verein zu spielen.“

Von voreiligen Aufstiegsträumen will der neue Kapitän dennoch nichts wissen. „Wir sind schon noch eine Wundertüte“, sagte Dressel. „Man hat gute Ansätze gesehen, aber wir müssen uns entwickeln.“

Der Applaus hinter dem VIP-Bereich war deshalb weit mehr als eine freundliche Begrüßung. Er zeigte, wie eng die Verbindung zwischen Dressel und 1860 trotz vier Jahren Pause geblieben ist. Manche Spieler kehren zu ihrem ehemaligen Verein zurück. Dressel kam nach Hause – und brauchte gerade einmal eine Trainingswoche, um das Gesicht der neuen Löwen zu werden.ULI KELLNER MARCO BLANCO UCLES

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