Seite an Seite – das war zuletzt so beim WM-Finale: Doch mittlerweile scheint Donald Trump auf Distanz zu gehen zu Gianni Infantino. © Tom Weller/dpa
Zürich/New York – Mitgliedsverbände der Fifa unterziehen ihm die schon zugesagte Unterstützung für die nächste Wahl, die Uefa fordert offen seinen Rücktritt – in immer stärkerer Not sucht Gianni Infantino Zuflucht bei denen, von denen er sich bislang beschützt und wertgeschätzt fühlte. Doch selbst die, die er für seine Verbündeten hält, wollen nichts mehr von ihm wissen, wie es aussieht.
Neueste Volte in der Geschichte vom Kursverfall Infantinos ist ein Bericht der New York Post. Ein Boulevardblatt mit teils kruden Thesen, aber nahe am US-Präsidenten Donald Trump. Die Post schrieb, dass Fifa-Präsident Infantino bei seinem Vorhaben scheiterte, mit Trump oder ersatzweise Außenminister Marco Rubio in Kontakt zu treten. Trump sei nicht zu sprechen gewesen für den Mann, der ihm den Fifa-Friedenspreis überreicht und ihn vor gut zwei Wochen noch zur WM-Siegerehrung aufs Spielfeld des New Yorker MetLife Stadium geleitet hatte. Und Rubio sagte ein vereinbartes vertrauliches Gespräch mit Infantino ab, nachdem die Medien davon erfahren hatten. Das US-Außenministerium schrieb auf der Plattform X: „Es gibt keine Pläne, dass Außenminister Rubio mit Infantino spricht.“
Aus der Zürcher Fifa-Zentrale wurde der Beitrag der New York Post, den auch die seriöse englische The Times aufgriff, dementiert: „Der Fifa-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den US-Präsidenten noch Mitglieder seiner Regierung angerufen. Das ist frei erfunden.“ Eine Pflichtmeldung der Presseabteilung. Selbst auf dem Sonnenberg schwindet der Rückhalt für den Chef, der mit seinem Plan, die wertvollsten Rechte des Weltverbands zum Teil an Investoren (noch dazu aus dem Umfeld von Donald Trump) zu veräußern, alle überrumpeln wollte. Nach dem krachenden Scheitern wird nun abgerechnet. Nicht nur seitens der traditionellen Gegenspieler der Uefa um Aleksander Ceferin, ihren Boss.
Mattias Grafström, Fifa-Generalsekretär und bis vor Kurzem dessen Vertrauter, hat in einem Brief an die Mitarbeiter in der Fifa-Administration Stellung bezogen zu den Vorfällen der vergangenen Tage. Er selbst war nicht eingeweiht in Infantinos bereits fortgeschrittene Planungen und schreibt: „Wir alle wurden hineingeworfen in diesen Aufruhr, was schwer zu begreifen und akzeptieren ist.“ Es solle nun aber keine Verunsicherung Einzug halten in den Fifa-Headquarters. „Einzelne Personen, instabile Momente und unglückliche Episoden kommen und gehen.“ Für die Institution Fifa werde es weitergehen.
Auf Distanz zu Infantino geht sogar Arsene Wenger. Der ehemalige Startrainer (FC Arsenal), von der Fifa als Direktor für globale Fußballentwicklung angestellt und von Kritikern als „Infantinos Mietmaul“ bezeichnet, weil er bislang alle von dessen Plänen (neuer Rahmenterminkalender, WM am besten alle zwei Jahre) gutgeheißen hatte, stellt klar, in den Rechte-Verkauf nicht eingebunden gewesen zu sein. „Ich habe es aus den Medien erfahren.“ Er sei froh, dass daraus nichts geworden sei. „Die Fifa muss unabhängig bleiben.“GÜK