München/Gevrey-Chambertin – Mitfavoritin Demi Vollering stürzt, Sigrid Haugset startet ihren Parforceritt zum späteren Etappensieg – aber die Fans der Tour de Femmes bekommen davon im Livebild nichts mit. Denn komplett übertragen werden nur zwei von neun Etappen. Selbst die offizielle TV-Übertragung des Veranstalters ASO steigt erst später im Renngeschehen ein.
„Man sollte meinen, dass sie wenigstens jetzt voll übertragen. Es sind nur neun Etappen und keine drei Wochen wie bei den Männern“, schimpfte EF-Education-Sportchefin Carmen Small. Auch die Fahrerinnenvereinigung TCA tat ihren Unmut kund. „Für das größte Rennen im Frauen-Radsport ist eine partielle Übertragung nicht mehr länger genug“, hieß es in einer Stellungnahme. „Die Nachfrage ist unbestritten, und wir wollen, dass die Übertragung nachzieht.“
Neben dem TV-Ärger machten zudem pikante Betrugsvorwürfe die Runde. Das niederländische Radsportportal WielerFlits will bei vergangenen Großereignissen erkannt haben, dass einzelne Fahrerinnen beim Zeitfahren eine künstliche Polsterung im Sport-BH verwenden. Dadurch soll der Luftstrom günstiger über den Oberkörper geleitet werden, wodurch sich der Luftwiderstand verringert.
Man gewinnt zwar keine Minute, aber einige Sekunden sind definitiv möglich. Das haben auch Windkanalmessungen im Triathlonsport belegt. Zwischenzeitlich stopften sich etliche Topstars ihre Trinkflaschen vorn ins Trikot, um aerodynamisch optimiert vom Wind umströmt zu werden. Mittlerweile ist dies aber verboten worden.
Auch laut UCI-Reglement ist die Methode eigentlich untersagt. „Die Kleidung darf die Morphologie des Fahrers nicht verändern“, heißt es im Artikel 1.3.033 des Regelwerks – zudem sind alle nicht essenziellen Elemente verboten, deren Funktion nicht ausschließlich Kleidung oder Schutz ist.
Die UCI kündigte aufgrund der aktuellen Unruhen für das Zeitfahren am gestrigen Dienstag, das Marlen Reusser aus der Schweiz gewann, gezielte Kontrollen an. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch der Teamfunk wird in letzter Zeit vermehrt im Brustbereich getragen – statt am Rücken, wo er im Wind steht.M. MÜLLER