Rabat – Gianni Infantino wählte zur Besprechung der aktuellen Notlage ausgerechnet den Ort, an dem seine nächste feierliche Krönungsmesse stattfinden soll. Für Mittwoch lud der schwer angeschlagene Alleinherrscher seine wichtigsten Mitarbeiter zu einer Krisensitzung nach Rabat, wo für den 18. März 2027 der nächste Kongress des Weltverbandes und damit auch seine letzte Wiederwahl als Fifa-Präsident angesetzt ist. Ob es soweit allerdings kommt, scheint derzeit ungewisser denn je. Die Schlinge für Infantino zieht sich nach seinem gescheiterten Investorendeal immer weiter zu.
Enge Vertraute rücken von ihm ab, aus Jordanien gibt es Erpressungsvorwürfe, die Gastgeberstädte der WM bringen Anschuldigungen vor – und weitere Mitgliedsverbände ziehen offiziell ihre Unterstützung zurück. Fast im Stundentakt verschärfen sich die Probleme des Fifa-Chefs.
„Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen“, schrieb Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström in einer Mail an Mitarbeiter des Weltverbandes. Es öffnen sich immer mehr Schauplätze. So behauptete Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fußballverbands, der Druck auf die Mitgliedsverbände, Infantino bei der Wiederwahl im kommenden Jahr zu unterstützen, komme „Erpressung gleich“. Er und sein Verband hätten „ihn früher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, schrieb der (damals chancenlose) Gegenkandidat Infantinos bei der Fifa-Präsidentschaftswahl 2016 bei X. Wohl auch deshalb, mutmaßt er, seien dem Team die Prämien für den Finaleinzug beim von der Fifa organisierten Arab Cup bislang nicht ausgezahlt worden.
Über fehlende Gelder beklagen sich auch mehrere Ausrichterstädte der Weltmeisterschaft. Wie das Portal The Athletic berichtet, haben vier Vertreter von WM-Gastgeberstädten dem Medium gegenüber anonym erklärt, Mitarbeiter aus dem Führungskreis der Fifa hätten ihnen mündlich jeweils eine Million Dollar an sogenannten „Legacy“-Geldern versprochen. Doch noch warten die betroffenen US-Städte offenbar vergebens auf die zugesagten Zahlungen.SID