ZUM TAGE

Längst kein müder Abklatsch mehr, aber…

von Redaktion

Tour des Femmes

Gestern also die Beaujolais-Gegend, eines der schönsten Weinanbaugebiete Frankreichs. Die Tour des Femmes versucht nach dem Lausanne-Start und ihrem Prestige-Ziel in Nizza weiter sehenswerte Aufnahmen zu produzieren. In den ersten Tagen der achtteiligen Rundfahrt ist das gelungen. Das weibliche Pendant des weltweit größten Radsportspektakels ist längst kein müder Abklatsch mehr. Und doch ist einiges anders.

Die gefahrenen Kilometer, die Höhenmeter, die Performance zu vergleichen – das hat schon in vielen anderen Sportarten zu nichts geführt. Die Leistungen der Frauen sind auch nicht weniger wert, nur weil der Geschwindigkeitsdurchschnitt geringer ist. Denn wenn man Mitfavoritin Demi Vollering & Co. nach dem Zeitfahren völlig erschöpft im Ziel kauernd und nach Luft japsend gesehen hat, ist klar: Die Damen haben ihr Herz und mehr auf der Straße gelassen. Und darum geht es schließlich.

Dennoch gibt es ein „Aber“. Denn während die Qualität im Männerfeld durchgehend hoch ist, sind die Unterschiede bei den Frauen teils immens. Das Team Lotto-Intermarché beispielsweise hatte nach drei – vom Profil her nicht besonders schweren – Etappen nur noch drei von sieben Fahrerinnen übrig. Bei kleinsten Anstiegen kurbelt ein Großteil der Teilnehmerinnen oft etliche Minuten hinter dem „Peloton“ her. Dazu kommen ständige Stürze. Und ein 86-km-Solo wie das von Sigrid Haugset zu überleben, würde höchstens ein Mann schaffen: Übermensch Tadej Pogacar. Man kann über all das den Kopf schütteln. Oder es spannend finden. Denn eine dominierende Fahrerin gibt es nicht. Und außerdem, so ganz sicher weiß man nie, was passiert.

Der Grund dafür sind die Strukturen. Der Frauenradsport entwickelt sich derzeit zwar rasant, steckt wirtschaftlich und medial aber immer noch in den Kinderschuhen. Soll heißen: Weniger Fahrerinnen können ihren Sport topprofessionell betreiben. Für die 15 Startplätze bewarben sich nur 14 Profiteams. Um das Feld zumindest auf 147 Frauen zu strecken, starten sieben Lizenzmannschaften auf Einladung des Veranstalters.MATHIAS.MUELLER@OVB.NET

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