ZUM TAGE

Es wird noch schmutziger werden

von Redaktion

Fifa-Spitze als Wagenburg

Es hätte auch anders kommen können. Nämlich so: Gianni Infantino erkennt an, dass er zur Reizfigur des Weltfußballs geworden ist, dem aktuell eine Mehrheit das Vertrauen entzogen hat. Also erklärt er seinen Rücktritt, um dem Sport, den er so sehr zu lieben vorgibt, dass er kein Spiel links liegen lässt, nicht weiter zu schaden. Wer entweder an das Vernünftige im Menschen glaubte oder die sportpolitische Dynamik der vergangenen Tage als eine unwiderstehliche bewertete, hat vielleicht geglaubt, Infantino werde dem Druck von allen Seiten nachgeben und seinen Rücktritt erklären. So wie es 2015/16 war, als Sepp Blatter erkannte, dass er ausgespielt hatte, und zerbrach.

Nun aber kann man davon ausgehen: Infantino wird nicht den Weg frei machen, sondern um seinen mit jährlich über fünf Millionen Euro dotierten Job, der ihm die Insignien des Luxus, Bedeutung und Macht verleiht, kämpfen. Was man ihm zugestehen muss: Die Rebellion aus dem Inneren, der Administration der Fifa, hat er fürs Erste abwenden können.

Wobei: War das ein richtiger Befreiungsschlag? Eher nicht. Das Management Board der Fifa war – was in der Mitteilung des Weltverbandes natürlich unerwähnt bleibt – nicht komplett, es fehlten die Direktoren Kevin Lamour, Arsene Wenger und Jill Ellis, die zum Teil schon auf Konfrontation zu ihrem Boss gegangen waren. Eingefangen zu haben scheint Infantino aber Mattias Grafström, seinen Generalsekretär. Allerdings galt der immer als einer seiner treuesten Vasallen, der erst diese Woche mit einem internen Schreiben („Personen kommen und gehen“) einmalig aus der Spur geraten war.

Wie die Fifa-Spitze Fehler einräumt rund um die (gescheiterte) Umsetzung von Investorenplänen, wie sie mit treuherzigem Augenaufschlag („Soll nicht wieder vorkommen“) Besserung gelobt und dann gespielt beleidigt sagt, man lasse sich nichts Ehrenrühriges unterstellen, das ist kein bisschen mehr als die Grundschule der Krisenkommunikation. Erst mal den Inner Circle stärken – und hoffen, dass andere an die Wagenburg wieder andocken.

Infantinos Gegner werden reagieren. Es wird noch schmutziger werden.

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