In den Bergen daheim

von Redaktion

Vom Skibergsteigen aufs Rad: Rosenheimerin Antonia Niedermaier überzeugt bei der Tour de France Femmes

Niedermaiers Herz schlägt auch für das Skibergsteigen, und natürlich für Hündin Frieda. © Instagram

Rasant unterwegs: Antonia Niedermaier trumpft bei den Grand Tours auf. © IMAGO

Kraft tanken: Mit den Eltern ging Antonia Niedermaier schon früh in die Berge. © Instagram

München – Zwischenzeitlich roch es nach der Sensation. Auf der fünften Etappe der Tour de France Femmes schaffte es Antonia Niedermaier in die Ausreißergruppe, lag virtuell im Gelben Trikot. Am Ende reichte es nicht, die Top-Favoritinnen Demi Vollering und Marlen Reusser rauschten heran. Und trotzdem: Es war der nächste Coup der Rosenheimerin, die ins Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin schlüpfte und nun auf Rang vier der Gesamtwertung steht. Eine Minute und 23 Sekunden hinter Teamkollegin und Kapitänin Kasia Niewiadoma. Auf der schweren Etappe am Freitag auf den legendären Mont Ventoux sind die Helferdienste der Deutschen gefragt. Höhenmeter, damit kennt sich die 23-Jährige bestens aus.

Niedermaiers Welt waren schon immer die Berge. Ausflüge mit der Mama, das Skitourengehen mit dem Papa. Die Medaillen des Vaters in der Garage inspirierten Niedermaier, auch mit dem Sport anzufangen. Mit 14 Jahren der erste Berglauf, danach zum Skibergsteigen. Bronze bei der WM der Juniorinnen, Siegerin im U20-Weltcup. Während der Corona-Pandemie folgte der Wechsel aufs Rad. „Wenn man das nicht von klein auf lernt, ist es brutal schwer, sich im Pulk zurechtzufinden. Es dauert, bis man mit Selbstbewusstsein durch das Feld fährt“, sagte die gebürtige Bad Aiblingerin damals unserer Zeitung. Niedermaier fand sich zurecht, arbeitet intensiv mit dem renommierten Top-Coach Dan Lorang („Er ist so ein liebenswürdiger, netter Mensch“) zusammen.

Im Juni dieses Jahres fuhr das Ausnahmetalent beim Giro d´Italia Women auf den zweiten Platz. Ein dickes Ausrufezeichen. „Auf diesem Podium zu stehen, war mehr als nur ein Ergebnis – es war die Krönung jahrelanger harter Arbeit und vieler Opfer; das Ziel einer Reise voller Höhen und Tiefen.“

Auch wenn die guten Ergebnisse nur so reinpurzelten, gab es auch viele Momente des Selbstzweifelns. Die Angst fuhr nach Stürzen mit, Niedermaier vertraute sich einem Sportpsychologen an. Besonders bewegend war der Tod der 18-jährigen Radfahrerin Muriel Furrer im Jahr 2024. Nur wenig später musste Niedermaier bei der Weltmeisterschaft ein Rennen fahren. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Mir sind am Start und während des Rennens die Tränen gekommen. Jedes Mal, wenn wir an der Stelle vorbeigefahren sind, hat sich in mir alles zusammengezogen, ich bin mit Angst gefahren.“

Bei der Tour fährt Niedermaier wieder mutig, untermauert ihre Stärken als Kletterin. Und stellt ihre Ansprüche hinten an. „Der Fokus ist immer noch auf der Gesamtwertung für Kasia. Das Weiße Trikot ist natürlich ein netter Bonus, den man hat“., sagt sie. Von Niewiadoma gibt es nur lobende Worte: „Antonia hat außergewöhnliches Talent. Sie wird eines Tages die Tour de France gewinnen.“NICO-MARIUS SCHMITZ

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