Infantinos neue Bündnisse

von Redaktion

Von Marokko aus stärkt der Präsident seine Stellung – die Fifa stützt ihn

Klotzig: Afrikanische Fifa-Filiale. © ABDEL MAJID BZIOUAT/AFP

Demonstrativ Seite an Seite: Infantino mit dem zuletzt kritischen Generalsekretär Grafström. © Instagram

Aus dem Dunkel aufgetaucht: Nach der Fifa-Krisensitzung besuchte Gianni Infantino demonstrativ das Frauen-Länderspiel zwischen Malawi und Sambia. © ABDEL MAJID BZIOUAT/AFP

Rabat/München – Das ist zur Kommunikations-Taktik der Fifa geworden: Meldungen stets in der Nacht verschicken, wenn Europa ruht. So hat man für ein paar Stunden die Deutungshoheit in weiten Teilen der Welt. Gianni Infantino weiß zudem um die Macht der Bilder. Tagelang hatte es kein frisches Material von ihm gegeben. Nun: Der Fifa-Präsident, wie er in Marokko seinen Amtsgeschäften nachgeht, wie er vor- und wegfährt, wie er beim Fußball auf der Tribüne sitzt. Afrikanischer Cup of Nations der Frauen, Malawi gegen Sambia, viele leere Plätze, aber er ist da, stärkt die, die wenig beachtet werden. Und an seiner Seite: Mathias Grafström, der eben noch mit Kritik aufgefallene Generalsekretär. Auf Instagram hat Infantino ein Foto von sich und seinem wichtigsten Mitarbeiter gestellt: Daumen hoch – und über dem eigenen Kopf eine Lampe wie ein Heiligenschein.

Die Krisensitzung, zu der Infantino nach Rabat befohlen hatte, ist für ihn „positiv“ ausgegangen und aus seiner Sicht „konstruktiv“ verlaufen. Grafström und das Fifa-Management Board (laut dem US-Portal The Athletic allerdings ohne drei der Direktoren) wurden für eine gut verlaufene WM gebauchpinselt, Infantino selbst als der einzig legitime Machthaber („gewählt von den 211 Mitgliedsverbänden“) herausgestellt. Okay, die Investorengeschichte sei nicht glatt gelaufen, dafür sorry, wird nicht wieder vorkommen. Wer der Fifa Übles nachsagen wolle, der werde sie kennenlernen.

Seit einer Woche agiert Gianni Infantino von Marokko aus. 2024 wurde in Salé bei Rabat die Afrika-Zentrale der Fifa eröffnet. Sie ist Bestandteil der „Mohamed VI Fußballakademie“, dem Prestigeprojekt des Königs. Der Schulterschluss Infantinos mit den Nordafrikanern wurde schon deutlich, als der Afrika-Cup Monate nach dem Skandalfinale mit Senegal den unterlegenen Marokkanern zugesprochen wurde. Marokko ist neben Spanien, Portugal und den südamerikanischen Satelliten Uruguay, Paraguay und Argentinien Ausrichter der WM 2030 – und gerade entbrennt ein Streit, wer das Finale bekommt. Das Bernabeu in Madrid galt als gesetzt – doch Marokko baut in Rabat eine Arena für 115.000 Menschen. Zeigt Infantino, auf wessen Seite er steht? Nächster Fifa-Kongress im März 2027: in Rabat.

Die Fronten bestehen weiterhin: Europäische Verbände widerrufen Unterstützungszuschriften, die sie kürzlich geleistet haben, Infantino postet Unterstützungsunterschriften (aus Asien), die bestehen. Die Uefa hält an ihrem Boykott der Wettbewerbe des Weltverbandes fest. Und sie versucht, Infantino auch juristisch zu fassen über eine New Yorker Anwaltskanzlei. Es hat sich nichts geändert.GÜNTER KLEIN

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