Furios im Freiwasser

von Redaktion

Isabel Gose schwimmt zu EM-Gold – Männer nach wildem Rennen ohne Medaille

Überglücklich: Europameisterin Gose. © Arland/EPA

Paris – Zahlreiche Gratulationen zu ihrem ersten Einzelgold im Freiwasser hatte schon Isabel Gose gelesen, als sie auf dem Kai an der Seine das Handy wegsteckte – und die Europameisterin zum Fan wurde. Doch Anfeuern und Daumendrücken halfen nicht: Ihre Trainingskollegen um den Vierfach-Weltmeister Florian Wellbrock kamen im wilden zweiten Knockout-Finale nicht wie erwartet zum Zug. So blieb die 24-Jährige die einzige Deutsche bei der Siegerehrung unter dem Eiffelturm.

„Es wurde langsam Zeit. Ich bin jetzt eine Woche schon hier, es ist wirklich hart, den Fokus zu halten. Aber es ist mir wirklich gut gelungen“, sagte Gose nach ihrem souveränen Triumph mit Start-Ziel-Siegen in den drei Rennen über 1500, 1000 und 500 m in gut einer Stunde.

Zuvor hatte die Magdeburgerin in Paris nur zugeschaut, wie Wellbrock mit zwei eindrucksvollen Erfolgen über zehn und fünf Kilometer dominiert und Oliver Klemet eine Bronzemedaille hinzugefügt hatte. „Es kitzelt einen Tag für Tag in den Fingern, ins Wasser zu springen. Vor allem, wenn die Jungs etwas so Tolles leisten“, berichtete sie: „Ich bin froh, dass ich da anknüpfen konnte.“

Als sie danach auf dem Quai de Grenelle wieder zur Zuschauerin wurde und ihre Handy-Nachrichten kontrollierte, sah sie zwischendurch genauso souveräne Teamkollegen. Vor allem EM-Neuling Johannes Liebmann, der im April mit seinem Europarekord über 800 m Freistil für Aufsehen gesorgt hatte und auf den langen Strecken im Becken in der nächsten Woche zu den Topfavoriten gehört, kontrollierte in den ersten beiden K.o.-Runden das Feld nach Belieben.

Auch Wellbrock, der seine Siegesserie fortsetzen wollte, und der Olympiazweite Klemet, der sich in diesem noch ziemlich neuen Format die größten Chancen ausgerechnet hatte, zogen als Schnellste ihres Halbfinals in den Endlauf ein. Sogar ein deutscher Dreifach-Triumph schien möglich.

Dann jedoch machte die Konkurrenz um den siegreichen Ungarn David Betlehem ernst. „Alle sind übereinander hergefallen, keiner hatte Platz, wir sind da nicht weggekommen“, klagte Klemet, der am Ende nur als Neunter direkt hinter Wellbrock und Liebmann anschlug. „Die waren taktisch schneller beim Denken“, meinte Wellbrock. Der 19-jährige Liebmann, der schnellste Schwimmer im Feld, der vor zwei Wochen in derselben Disziplin Silber bei der Junioren-EM gewonnen hatte, hakte es als „Erfahrung, die ich machen musste“, ab.

Ungetrübt freuen konnte sich dagegen Gose, die erst ihren dritten internationalen Knockout-Sprint schwamm und Lust auf mehr bekam: „Das ist eine Sache, die man gerne öfter macht.“ Bevor es am Samstag (10.00 Uhr) in der gemischten Staffel noch einmal um Gold in der Seine und in der nächsten Woche ins Becken im Centre Aquatique Olympique am Stade de France geht, gönnte sie sich eine Auszeit mit der Familie: „Meine Eltern und mein kleiner Bruder sind da mit den Hundis“, erzählte sie freudestrahlend und wollte „mal kurz Hallo sagen und was essen gehen“.

Einen schlechten Geschmack im Mund hatte sie dabei nicht, denn von dem Ölfilm, der tags zuvor noch das Training in der Seine verhindert hatte, spürte sie nichts mehr.SID

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