Kalte Dusche: Nach früher 2:0-Führung luden die Löwen Augsburg zum Toreschießen ein. © IMAGO
München – Weiß-blaue Streifen, aufgelockert durch Luftballons: Mit dieser unschuldigen Choreografie eröffnete die Westkurve vor neun Jahren die erste Regionalliga-Heimspielsaison der Löwen. Am Ende stand ein 3:1 gegen Burghausen. Weil es damals so gut gepasst hatte, griffen die Ultras die Idee von 2017 nun wieder auf. Doch diesmal brachte sie kein Glück. Nach einer hochverdienten 2:0-Führung mussten sich die e.V.-Löwen am Ende mit einem 2:2 (2:1) gegen den FC Augsburg II begnügen. In Schweinfurt wurde dieses Ergebnis noch gefeiert – am Freitag nicht. „Wir müssen uns ankreiden, dass wir in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht haben“, sagte Michael Eberwein.
Vor 15.000 Zuschauern war das Grünwalder Stadion einmal mehr bis auf den letzten Platz gefüllt. Noch vor dem Anpfiff ergriff Präsident Gernot Mang das Wort. Über das Stadionmikrofon bedankte er sich bei den Fans für ihre außergewöhnliche Treue – viele hatten ihre Dauerkarten sogar doppelt gekauft: „Ihr seid großartig. Wir verneigen uns vor Euch. Und jetzt geht’s richtig los!“ Anschließend sprach auch ein Fanvertreter – schließlich stehen die Anhänger mit „Football for the PEOPLE“ neuerdings selbst auf dem Trikot. Seine Worte gingen allerdings unter, weil die Augsburger Fans in der Ostkurve – wohl kein Zufall – just in diesem Moment ohrenbetäubenden Lärm machten.
Und dann legten die Löwen los, wie es Mang angekündigt hatte: dynamisch, bissig und mutig nach vorne. Die Sonne stand noch hoch über der Westkurve, da führte 1860 bereits mit 2:0. Eberwein verwandelte einen Handelfmeter, nachdem ein Schuss von Julian Bell an den Arm eines Augsburger Verteidigers geprallt war (14.). Sieben Minuten später erhöhte Florian Niederlechner per Kopf. Die Flanke hatte Emre Erdogan künstlerisch wertvoll mit dem Außenrist serviert.
Augsburg wirkte vom Giesinger Offensivdrang beeindruckt. Beinahe hätte Niederlechner nachgelegt, doch Wisbereit parierte dessen Dropkick (30.). Auch Raphael Wach hatte das 3:0 auf dem Fuß, traf aber nur den Pfosten. Die ausgelassenen Chancen rächten sich prompt: Kastanaras verkürzte nach einem Freistoß auf 2:1 – vorausgegangen war ein Schubser von Bell. Statt mit 3:0 oder gar 4:0 ging es nur mit einem knappen Vorsprung in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel verloren die Löwen jedoch ihren Rhythmus. Augsburg übernahm zunehmend die Kontrolle. Folgerichtig traf Malaj zum 2:2-Endstand. Erinnerungen an die alten Löwen wurden wach. Die Enttäuschung über den verpassten Heimsieg war groß. Doch als das Spiel vorbei war, überwog etwas anderes: Tausende Fans stimmten den Ruf an: „Der TSV ist wieder da!“ Keine Heimparty zwar – gefeiert wurde trotzdem. Dann halt den Neustart.ULI KELLNER