Es gibt Vereine, die werden geliebt, wenn sie gewinnen. Und es gibt den TSV 1860.
15.000 Zuschauer bei einem Regionalligaspiel gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg – eigentlich müsste dieser Fakt reichen, um das Phänomen zu beschreiben. Tut er aber nicht. Denn wer den Hype um die Löwen allein mit Fußball erklären will, hat diesen Verein nie verstanden.
Auf den ersten Blick spricht alles für einen Katastrophensommer. Lizenz weg. Zwangsabstieg. Insolvenz. Trotzdem wirkt rund um Giesing vieles leichter als noch vor einem Jahr, als Kevin Volland und andere Rückkehrer den Traum von der 2. Liga verkörperten. Der Unterschied: Es gibt Hoffnung, dass die Zeit der Dauerkrise vorbei ist. Gesellschafterstreit, Machtkämpfe, Lagerdenken – viel zu lange haben die Löwen ihre Energie mit fußballfernen Themen vergeudet.
Die Fans feiern im Sommer 2026 nicht die Regionalliga. Und sie feiern auch keinen Neuanfang, weil plötzlich alles besser wäre. Sie genießen vielmehr das Gefühl, ihren Verein zurückgewonnen zu haben. Motto: Klein, aber mein. Mehr noch als sportlichen Erfolg haben viele das Gefühl herbeigesehnt, wieder Herr im eigenen Haus zu sein. Eigenständigkeit und Selbstbestimmung können Kräfte freisetzen. Auf die e.V.-Löwen heruntergebrochen: „Freiheit für Sechzig!“
Weiß-blauer Wahnsinn. Giesing im Trotzmodus. Die Löwen nehmen ihr Schicksal nicht nur an, sondern ihre Zukunft wieder selbst in die Hand. Der größte Sieg dieses Sommers steht deshalb in keiner Tabelle. Er spiegelt sich in den Gesichtern der Fans.