„Rückschläge waren der Schlüssel“

von Redaktion

Olympiasiegerin Yemisi Mabry sucht für die EM noch ein motivierendes Lied

Sie lässt es gerne gospeln: Yemisi (damals noch Ogunleye) bei der Sportlerwahl 2024. © Instagram

Volle Konzentration: Yemisi Mabry hat die Technikanweisungen immer im Kopf. © Sven Hoppe/dpa

Kugelstoßerinnen können auch gute Akrobatinnen sein – zumindest wenn sie sich freuen. © Bernd Thissen/dpa

Und dann standen plötzlich 20,00 m auf der Anzeigetafel im Pariser Stade de France. Bei den Olympischen Spielen in Paris sicherte sich Yemisi Mabry (geborene Ogunleye) im letzten Versuch die Goldmedaille. Auch bei der anstehenden Europameisterschaft im britischen Birmingham gehört die Kugelstoßerin wieder zu den Favoritinnen. Nach der Hochzeit mit dem amerikanischen Football-Profi Tyler Mabry im April soll nun das nächste Highlight folgen. Unser Interview mit der 27-Jährigen über Rückschläge, Glaube und Musik.

Yemisi Mabry, die Europameisterschaft steht an. Wie bereiten Sie sich mental auf so ein Highlight vor?

Der Fokus liegt darauf, sich im Training eine Sicherheit abzuholen. Ich arbeite mit Visualisierungen. Ich liebe es, die Technikanweisungen, die ich im Training bekomme, aufzuschreiben. Das lese ich mir dann abends vor. Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, wie ich mich im Wettkampf fühlen möchte, wie ich von außen wahrgenommen werden, wie ich mit einem schlechten Stoß umgehe. Ich spiele alle möglichen Phasen des Wettbewerbs durch. Egal, was dann kommt, ob Sonne oder Regen, ich will mental darauf vorbereitet sein.

Sind Technikanweisungen Ihre Feierabendlektüre?

Das ist wie ein Tagebuch (lacht). Ich vergleiche dann auch, wie ich mich vor anderen Wettkämpfen gefühlt habe, wie ich technische Anweisungen umgesetzt habe. Eine Rückmeldung an mich selbst. Das Revue passieren lassen und meine Ziele aufzuschreiben, dann alles zu visualisieren, hilft mir sehr.

In der ZDF-Doku „Das Gold ihres Lebens“ sprechen Sie über Ausgrenzung in der Kindheit, über Ihre schweren Knieverletzungen. Sie nennen sich selbst eine „Überwinderin“.

Schlüssel meines Weges waren auf jeden Fall die Rückschläge. Immer wieder Hürden überwinden, immer wieder aus etwas rauskämpfen. Und dabei immer an das Gute zu glauben. Sich immer wieder daran zu erinnern: Ich kann etwas. Das ist eine innere Zuversicht, die ich damals noch nicht so gesehen habe, die aber immer da war. Mein Glaube spielt eine feste Rolle. Die schlechten Tage meines Lebens haben mich als Athletin und Mensch extrem geformt. Ohne die schlechten Tage wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Aus dieser Zeit kann ich viel Kraft ziehen.

Der Höhepunkt war sicher die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris. Ein magischer Abend, der noch nachwirkt?

Definitiv. Ich hatte damals nicht das Gefühl, dass ich top vorbereitet bin. Ich dachte nicht, dass ich 20 Meter stoßen kann. Es war einfach der Wille. Es war der Glaube, der mich an diesem Abend getragen hat. Ich kann immer wieder darauf zurückschauen: Du bist gefallen in dem Wettkampf, hast dich dann aber im letzten Versuch aufgerappelt. Das war ein entscheidender Moment für meine Entwicklung und die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Beim wichtigsten Wettkampf meines Lebens habe ich so performt. Das heißt nicht, dass ich für mich jetzt immer Gold erwarte. Aber ich habe natürlich den Anspruch, vorne mitzumischen.

Sie singen leidenschaftlich gerne. Haben Sie schon ein Lied für die EM ausgesucht?

Musik ist ein Ritual in meiner Wettkampfsvorbereitung. Zu singen, auch während des Wettkampfs, bringt mich extrem runter. Musik wird immer eine große Rolle in meinem Leben spielen. Es gibt dem Leben Rhythmus. Leider fehlt häufig die Zeit, in einem Chor zu singen. Ich trällere mir aber trotzdem die Lieder vor (lacht). Ich höre durch die Playlist und dann kommt ein Song, der mich catcht, der mich motiviert, meine Gefühlslage widerspiegelt. Das ist dann auch mein Lied für die internationalen Meisterschaften. Ich bin gespannt, welches es bei der EM sein wird.

IV: NICO-MARIUS SCHMITZ

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